1. Fastensonntag 2006










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01. Sonntag der Vierzigtagezeit B

Appelhülsen/Schapdetten 2006

 

Einzug: # 160, 1-3 ‚Bekehre uns’

Liturgische Eröffnung:

Ø     Im Namen des Vater...

Ø     Jesus Christus, der uns einlädt, neu und vertieft mit ihm zu leben, er sei mit euch.

Einleitung: 

Ø     Liebe Gemeinde,

Ø     in unserem Leben gibt es Zeiten, in denen sich unsere Lebenserfahrungen verdichten:

Ø     die Zeit um die Hochzeit oder Priesterweihe;

Ø     das Warten auf die Geburt eines Kindes,

Ø     ein schöner Urlaubstag;

Ø     die Zeit des angstvollen Wartens auf eine Diagnose;

Ø     die Zeit, die wir mit einem Sterbenden, der uns nahe steht, noch teilen dürfen.

Ø     Eine verdichtete Zeit ist auch die Vierzigtagezeit vor Ostern.

Ø     Sie lädt uns ein, vertieft nach dem Sinn und dem Grund unseres Lebens zu suchen.

Ø     Sie lädt uns ein, unsere Beziehung zu Gott zu intensivieren.

Ø     Sie lädt uns ein, unsere Taufe neu in den Blick zu nehmen.

Ø     Lassen wir uns daher zu Beginn der Vierzigtagezeit mit Weihwasser besprengen und machen bewusst dabei das Kreuzzeichen als Zeichen unserer Bereitschaft, uns neu und vertieft auf den Grund unseres Lebens, auf Gott einzulassen.

w. d. Asperge: # 819, 1.2 ‚Fest soll mein Taufbund’

Tagesgebet:

Du Gott des Lebens, dein Sohn lädt uns ein, in diesen Tagen der Vorbereitung seinem Wort und darin seinem Wort von dir zu begegnen. Hilf uns, dieser Einladung zu folgen und lass uns neu von dir bewusst werden, was dein Sohn verkündet hat, er, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und Leben schenkt in Ewigkeit.

Lesung: 1Petr 3,18–22

Antwortgesang: # 883, 1.2 ‚Suchen und fragen’

Evangelium: Mk 1,12–15

Predigt:

Ø     Liebe Gemeinde,

Ø     “Beginn des Fastens“ – so hieß der heutige Erste Fastensonntag im Altertum, als die vierzigtägige Fastenzeit tatsächlich mit diesem Tag auch begann.

Ø     Die Zahl der vierzig Tage begegnet uns in der Heiligen Schrift immer wieder: Vierzig Tage war der Prophet Elija zum Gottesberg Horeb unterwegs; der Prophet Jona verkündete, dass Ninive in vierzig Tagen untergehen werde, vierzig Jahre weilte das Volk Israel in der Wüste. Vierzig ist eine heilige, eine symbolische Zahl. Augustinus erkannte in ihr die Zusammensetzung aus der Vier und der Zehn; die Zehn, die auf die Zahl der Gebote hinweist, und die Vier, die die vier Himmelsrichtungen andeutet. Gott möchte mit seinen 10 Geboten  eine Lebenshilfe für alle Menschen anbieten.

Ø     Im Altertum  wurden ab dem heutigen Sonntag vierzig Tage gezählt und die Fastenzeit endete am Gründonnerstag vor der Abendmahlsmesse, mit der die Drei Österlichen Tage vom Leiden, Sterben und der Auferstehung des Herrn begannen.

Ø     Später hat man die sechs Sonntage dieser Wochen vom Fasten ausgenommen; die sechs fehlenden Tage bekam man dadurch wieder, indem man den Karfreitag und Karsamstag dazu zählte und vom Ersten Fastensonntag vier Tage zurück rechnete. So kam es zum Anfang der Fastenzeit am Aschermittwoch. Doch der alte Beginn mit dem heutigen Sonntag und auch seine Bedeutung schimmern noch immer durch die Texte hindurch.

Ø     In allen drei Lesejahren wird uns am Ersten Fastensonntag Jesus vor Augen gestellt, der sich in die Wüste zurückgezogen hat, um zu fasten. Das ist sehr alt bezeugt; schon Papst Gregor der Große hatte im 6. Jahrhundert an diesem Tag über das Fasten Jesu in der Wüste und seine Versuchung gepredigt.

Ø     Und das Thema Wüste ist der erste Anstoß, den uns der heutige Sonntag mit auf den Weg in die Fastenzeit gibt.

Ø     Auf den ersten Blick scheint die Wüste nur aus heißem Sand, Geröll und Gestein zu bestehen. Doch bei genauerem Betrachten zeigt sich, dass die Wüste lebt - da gibt es Pflanzen und viele verschiedene Tierarten, die zum Teil gefährlich und furchterregend sind.

Ø     Früher dachte man, dass die Wüste ein Ort der Dämonen und wilden Tiere sei. Dieser Gedanke wurde dann auf die wilden Tiere und Dämonen bezogen, die quasi in unserem Inneren lauern.

Ø     Diesen wilden Tieren in unserem Inneren gehen wir gerne aus dem Weg, indem wir uns sozusagen vor unserer Wüste schützen, indem wir die Stille oft eher vermeiden und uns in Aktionen und Aktivitäten stürzen. Wenn es aber doch einmal leise um uns herum wird, kann das Gefühl hochkommen, innen leer zu sein und wir bemühen uns schnell, diese Leere auf verschiedene Weise auszufüllen. Die Exerzitien im Alltag, zu denen ich noch mal ausdrücklich einladen möchte, können ein Weg sein, in die Stille zu gehen, uns auch unseren inneren wilden Tieren auszusetzen und uns mit den tiefsten Fragen in unserem Inneren auseinanderzusetzen.

Ø     Fastenzeit kann somit als erstes eine  Kampfansage an unsere inneren wilden Tiere sein:

Ø     Wie schnell sind wir manchmal eingeschnappt, können nicht mitlachen, wenn andere über uns lachen. Sich selbst zu wichtig nehmen ist Zeichen eigener Schwäche und Unsicherheit.
Die Tiere des Eingeschnapptseins und der Wut können in der Vierzigtagezeit sicherlich etwas Zähmung gebrauchen.

Ø     Über was alles wird in unseren Dörfern gelästert! Wie schlecht sind doch in unseren Reden die anderen, und wie gut erscheinen darum wir selbst!
Die
Vierzigtagezeit lädt uns ein, die Tiere der Lästerei und Eifersucht an die Leine zu nehmen.

Ø     Wie viele Ereignisse und Untaten werden so lange verdreht, bis wir selbst gut dastehen! Man will sich schließlich keine Blöße geben, und sei es auf Kosten anderer. Die Vierzigtagezeit lädt uns ein, das Tier der Schönfärberei festzubinden.

Ø     Wie viele Menschen leben in ständiger Angst, zu kurz zu kommen oder die Angst, das Leben nicht bewältigen zu können.
Dieses wilde Tier können wir nicht einfach festbinden oder davonjagen. Aber die
Vierzigtagezeit lädt uns ein, uns diesem Tier stellen, es in Ruhe zubetrachten und an unserer Beziehung zu ihm arbeiten.

Ø     Die Vierzigtagezeit also als Kampfansage an unsere inneren wilden Tiere.

Ø     Der zweite Anstoß, den uns der erste Fastensonntag geben kann, ist bereits zu Beginn dieses Gottesdienstes angeklungen, im Taufgedächtnis. Die feierliche Osternacht, die ja durch die österliche Bußzeit vorbereitet wird, ist der traditionelle Tauftermin schlechthin. Deshalb freue ich mich auch sehr darüber, dass in Schapdetten dieses Jahr ein Kind getauft wird.

Ø     In unserem Bistum findet am ersten Fastensonntag die Feier der Zulassung zur Taufe  Erwachsener statt.  Diese erwachsenen Taufbewerber stehen vor der Frage, ob sie sich wirklich mit ihrem ganzen Leben auf Jesus und seine Botschaft einlassen sollen oder nicht. In der Osternacht sollen sie einem Leben ohne Gott oder im Dienst falscher Götter abschwören, sich in der Taufe ganz auf Jesus einschwören, dem Gott Jesu Vertrauen schenken. Vor einem so wichtigen Geschehen kann es immer wieder zu Zweifeln kommen.

Ø     Vielleicht erinnern sich die unter ihnen, die sich auf ein Eheversprechen einließen, an die Zeit davor. Da konnten schwierige Fragen auftauchen, ob eine Bindung bis in den Tod wirklich zu rechtfertigen ist; ob es nicht zu riskant, ja geradezu leichtsinnig ist, angesichts des Scheiterns so vieler Ehen auf das Gelingen der eigenen Ehe so unwiderruflich zu setzen.

Ø     Bei der Taufe geht es um noch mehr. In der Taufe geht es darum sich ganz auf Gott einzulassen. Es kann gut und wichtig sein, wenn wir in uns einmal aufrichtig der Frage stellen, ob wir - wären wir nicht als Kinder getauft - uns heute als Jugendliche oder Erwachsene taufen lassen würden. Wie würde es uns gehen, wenn wir das zu entscheiden hätten? Vielleicht spüren wir jetzt etwas von der wichtigen Entscheidung und Versuchung, sein Leben lieber nicht auf Gott aufzubauen, sein Leben nicht ganz Gott anzuvertrauen.

Ø     Die österliche Bußzeit lebt aus unserer Taufberufung heraus. In unserer Taufe wurden wir Eigentum Gottes im doppelten Sinn. Er nahm uns an als seine Töchter und Söhne. Und er nahm uns in Dienst, am Aufbau dieser Welt mitzuarbeiten. Ihm zu gehören ist Geschenk und Auftrag.

Ø     In unserem Leben als Getaufte gibt es die Versuchung, nicht mehr zu glauben, den Glauben nicht mehr zu praktizieren, der sonntäglichen Versammlung fern zu bleiben.  Es handelt sich meist nicht um einen plötzlichen und dramatischen Glaubensverlust, eher ist es ein langsames Einschläfern des Glaubens und Zurücknehmen des Vertrauens auf Gott. Die große Versuchung gibt es eben auch heute so oft unter uns, ein Leben ohne Gott zu führen, zu sagen: Es lebt sich ja auch ganz gut ohne Gott. Um ein volles Portemonnaie und viel Vergnügen und Spaß zu haben, brauche ich keinen Gott. Mir geht es ganz gut ohne Gott. Und so verlieren wir mehr und mehr das Gottvertrauen und unseren Glauben.

Ø     Der erste Fastensonntag lädt uns ein, in der Vierzigtagezeit zwei Aspekte besonders in den Blick zu nehmen.

1.     Zum einen Zeiten der Ruhe zu suchen und Stille auszuhalten, um uns unseren inneren wilden Tieren zu stellen und neu mit ihnen umzugehen.

2.     Und zum anderen uns zu bemühen, unsere Taufe vertieft zu leben, so dass wir in der Osternacht unser Taufversprechen voller Zuversicht und Freude feierlich erneuern können. Amen.

Meditative Orgelmusik: Credo entfällt aufgrund des Taufgedächtnisses

Fürbitten: # 358,3 ‚Herr, erbarme dich’

Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium!, ruft der Herr uns heute zu. Zu ihm, dem die Engel dienen:
# 358,3 V/A ‚Lasset zum Herrn...’

Ø     Für alle, die sich in den nächsten Wochen auf den Weg der Umkehr machen und ihr Leben neu ordnen wollen.
# 358,3 V/A ‚Lasset zum Herrn...’

Ø     Für alle, die sich besitzen lassen von dem materiellen Dingen, die sie zu besitzen glauben.
# 358,3 V/A ‚Lasset zum Herrn...’

Ø     Für alle, die sich vorbereiten auf die heilige Taufe, in der sie eingegliedert werden in die Kirche.
# 358,3 V/A ‚Lasset zum Herrn...’

Ø     Für alle, die vor lauter Beschäftigung keine Zeit finden für Einkehr und Gebet.
# 358,3 V/A ‚Lasset zum Herrn...’

Ø     Für alle, die alles Belastende und Ungeordnete, das auch in ihnen haust, nicht anschauen können und verdrängen.
# 358,3 V/A ‚Lasset zum Herrn...’

Ø     Für uns selbst und einander, dass wir die vor uns liegenden Tage zu einer Gnadenzeit machen können.
# 358,3 V/A ‚Lasset zum Herrn...’

Um all das bitten wir dich durch Jesus Christus, der uns den Weg vorangegangen ist zu dir, unserem Vater. Amen.

Gabenbereitung: 537, 1-3 „Beim letzten Abendmahle“

Gabengebet: MB oder

Herr, unser Gott, nimm in diesen Gaben von Brot und Wein unseren Alltag und unser Leben. Wie du diese Gaben annimmst, so nimm auch uns an, und wie diese Gaben zu Leib und Blut deines Sohnes werden, so lass unser Leben erneuert werden in der Liebe deines Sohnes, der mit dir lebt und leben schenkt in Ewigkeit.

Präfation:  Fastenzeit I (MB 372)

Sanctus:  # 861 ‚Sanctus’

Hochgebet: II o. III

Agnus Dei: # 161 ‚Gottes Lamm’

Mahlspruch:

Ø     Christus spricht: die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. (Mk 1:13)

Schlussgebet:

Gütiger Gott, gestärkt mit dem Leib deines Sohnes und ermutigt von seiner Einladung, dem Evangelium zu folgen, gehen wir in diese Woche. Wir danken dir für diesen Anfang und für alles, was du uns an Leben schenkst. Und wir hoffen auf dich und deine Nähe. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Schlusslied:  # 882, 1.5 ‚Kleines Senfkorn’