Aschermittwoch 2004










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Aschermittwoch 2004
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St. Bonifatius, Schapdetten 25.02.2004

Aschermittwoch

 

Zum Einzug: Gl 848, 1-3 'Meine engen Grenzen'

Liturg. Eröffnung:

v    Im Namen des Vaters...

v    Jesus Christus, der uns einlädt, sich in der kommenden Zeit intensiver auf das Leben einzulassen, er sei mit euch!

Einleitung:

v    Liebe Gemeinde, liebe Kinder, bes. liebe Erstkommunionkinder!

v    Ich begrüße Sie und Euch herzlich zu diesem Gottesdienst an Aschermittwoch, zu Beginn der Vierzigtagezeit. Für Euch, liebe Erstkommunionkinder, beginnt jetzt sozusagen ja auch der Entspurt zur Erstkommunion. Wir gehen gemeinsam an einigen Punkten den Weg nach Ostern, und dann ist es ja schon so weit.

v    In der Lesung gleich ruft Paulus uns im Namen Gottes zu:
Zur Zeit der Gnade erhöre ich dich. Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade.

v    Dies verweist darauf, dass die Vierzigtagezeit ein Geschenk ist. Und wir sind eingeladen, es zu nutzen. Es geht in dieser Zeit um uns. Gott möchte, dass wir zu mehr Leben und Gemeinschaft finden.

v    Und so wollen wir zu Beginn beten:

Tagesgebet:

Getreuer Gott, im Vertrauen auf dich beginnen wir diese Zeit der Besinnung und Bereitung auf das Osterfest. Wir bitten dich: Begleite und führe uns in diesen 40 Tagen, dass wir uns dir zuwenden, auf dein Wort hören und dir in den Mitmenschen dienen durch deinen Sohn Jesus Christus, unseren Herrn und Bruder, der mit dir und dem Heiligen Geist in unserer Mitte lebt, jetzt und in Ewigkeit.

Lesung: 2 Kor 5, 20- 6,2

Antwortgesang: 168, 1-3 'O, Herr nimm unsre Schuld'

Evangelium: Mt 6, 1-6.16-18

Predigt:

v    Liebe Gemeinde,

v    vielleicht drückt das folgende Gedicht auch Ihren tiefsten Wunsch aus.

Dein Leben verläuft immer

gradlinig

ohne Schnörkel

du hast alles im Griff

alles unter Kontrolle.

 

v    Es kann seht gut tun, wirklich das Leben im Griff zu haben, dass es sozusagen 'rund' läuft, dass nicht immer wieder alles außer Kontrolle gerät.

v    Leider - so wohl die Erfahrung von den meisten von uns - ist das nicht so. Der gewünschte klare Weg spiegelt nicht die Realität des Lebens.

v    Unser Lebensweg gleicht mit seinen Kurven, Abzweigungen und Umwegen oft eher einem Labyrinth.

v    Dieses Bild stammt aus dem Dom San Vitale in Ravenna. Dort ist in der Mitte ein Labyrinth ausgelegt, von dessen Mittelstein aus ein mit Dreiecken gekennzeichneter verschlungener Pfad hinausführt - bis zu einer Muschel.

v    Und ich möchte Sie jetzt einladen zu Beginn dieser Vierzigtagezeit sich ein wenig auf dieses Labyrinth einzulassen. Ich habe es aus zwei Gründen für sie kopiert. Zum einen können Sie sich zuhause noch ein paar Gedanken dazu machen, vielleicht das Labyrinth individuell mit ihren Abzweigungen gestalten und während der Vierzigtagezeit immer mal wieder zur Hand nehmen, zum anderen kann es Euch, liebe Kinder helfen, ein wenig auch praktisch während der Predigt etwas zu tun zu haben, indem ihr das Labyrinth immer mal wieder mit euren Fingern nachzeichnet.

v    Ich möchte jetzt gerne mit Ihnen/Euch ein paar Stationen im Labyrinth nachzeichnen.

v    1. Station:

v    Wir werden es nicht verhindern können, uns immer wieder in unserem Lebenslabyrinth zu verirren. Aber wenn wir aus der Enge heraus einen Weg nach draußen wagen, werden wir als andere Menschen das Labyrinth verlassen, mit veränderten Perspektiven, mit neuen Möglichkeiten, mit klareren Vorstellungen, mit größerem Lebensdurst.

v    2. Station:

v    Eine Situation, die das Leben durchkreuzte, erlebten 7 Schweizer Studentinnen. Sie wurden überrascht von eisigen Wasserfluten und dabei in einer Höhle abgeschnitten von der Außenwelt. Zwischenzeitlich waren ihre Hoffnungen begraben worden, dass sie noch gerettet werden können. Doch dann kam ein Lebenszeichen von außen, die Rettung. Wie weit muss nach solchen Tagen der Enge und Todesangst die Welt erscheinen. Das Gehen durch das Labyrinth und dann das Herausgehen aus dem Labyrinth verändert, bringt neue Perspektiven.

v    3. Station:

v    Im Leben gibt es manchmal tiefe Einschnitte. Dass kann ein Schulwechsel sein, ein Freund ist plötzlich weggezogen, dass können Probleme und Veränderungen in der Familie sein, alles scheint plötzlich anders als gewollt zu verlaufen, man scheint sich im Labyrinth des Lebens zu verirren. Wie gut tut es, einen neuen Weg in langem Ringen gefunden zu haben, neue Freunde, neues Zuhause, neue Lebensmöglichkeiten. Und die Welt erscheint wieder neu.

v    4. Station

v    Eine gesundheitliche Katastrophe kommt, sie kann objektiv eher gering sein, z.B. ein Beinbruch für einen Hobbyfußballer, der einen zurückwirft, aber nicht lebensbedrohend ist, es kann eine eigene ernste Krankheit oder eines guten Freundes sein. Das wirft zurück. Und wenn diese Situation einigermaßen bewältigt ist, dann geht man anders aus dem Labyrinth ins Leben zurück.

v    5. Station:

v    Es gibt berufliche oder schulische Probleme, die Versetzung ist gefährdet, der Arbeitsplatz in Gefahr, eine erstrebter Aufstieg ist nicht möglich, das Geschäft läuft nicht mehr... Man schein wie gelähmt zu sein, Doch man schafft es, da wieder herauszukommen, es wächst einem von irgendwo neuer Mut zu. Man verlässt die Gefangenschaft im Labyrinth als ein anderer, als man zu vor war. Eine gute Erfahrung.

v    Und so verweist das Labyrinth - so finde ich - auf zwei wichtige Punkte der vor uns liegenden Vierzigtagezeit.
Zum einen ist die Vierzigtagezeit eine Zeit, in der wir eingeladen sind, zur Besinnung zu kommen, Angebote der Fastenzeit zu nutzen, mal ein wenig mehr über sich und das Leben nachzudenken. Und vielleicht dabei im wiederholten (tatsächlichen oder gedachten) Nachzeichnen des Labyrinthes zur Ruhe zu kommen, zu entdecken, was im eigenen Leben nicht so optimal läuft.
Zum anderen verweist ein weiterer Name der Vierzigtagezeit oder Fastenzeit, nämlich österliche Bußzeit auch auf den Charakter der Umkehr. Denn das Nachdenken über sich selber sollte eine Frucht haben, die Änderung dessen, was nicht so optimal und toll in unserem Leben läuft. Das Nachdenken zeitigt Konsequenzen.

v    Besonders deutlich wird das, wenn man den Ursprung der Vierzigtagezeit in den Blick nimmt. Es waren in der alten Kirche die Tage, die ein Christ warten musste, bevor er oder sie wieder in die volle Gemeinschaft aufgenommen wurde und am Abendmahl teilnehmen konnte. Wenn jemand etwa sich verführen ließ, öffentlich dem Kaiser zu opfern, statt sich zu dem lebendigen Gott zu bekennen, hat er sich, Taufe hin oder her, de facto aus der Mahlgemeinschaft der Eucharistie herauskatapultiert. Mord, schwere Verbrechen gegen die Armen waren ähnliche Tatbestände, durch die ein Mensch die Gemeinschaftsfähigkeit für das Reich Gottes verliert. Niemand kann eine Witwe um das letzte Brot betrügen und zugleich am Mahl der Liebe teilhaben.

v    Die Vierzigtagezeit war damit eine Zeit, in der ein solcher Christ wieder hineinwächst in die Gemeinschaft. Die Umkehr muss dem vorausgehen. Die Reue ist Voraussetzung. Dies ist eine Entscheidung, keine Zeit der Besinnung. Dann aber kann und muss Zeit sein, um das soziale Leben wiederherzustellen und zu ermöglichen, Zeit, zerstörtes Vertrauen wieder aufzubauen.

v    Wer die Erfahrung gemacht hat, wie sehr ein Streit oder gar das Verletzen eines anderen zwei Menschen, die eigentlich gute Freunde waren oder sogar ein Paar, auseinanderbringt, der weiß, wie wichtig es ist, dass durch besondere Nettigkeit und Zuwendung Vertrauen wieder wachsen kann, die Freundschaft oder Beziehung wieder eine Chance hat.

v    Ursprüngliches Ziel der Vierzigtagezeit war früher, das Widerherstellen eines solchen Vertrauens: mit der Gemeinde, mit Gott.

v    Natürlich und glücklicherweise hat wohl kaum keiner von uns so schlimme Dinge wie Mord getan. Zudem ist der Gemeinschaftsbezug von Verfehlungen und konkrete Gemeinde nicht mehr unbedingt präsent.

v    Aber ich glaube die Grundrichtung stimmt auch heute. Nachdenken, was mein Leben ausmacht, Fehler entdecken, gerade in der Vierzigtagezeit an einem konkreten Punkt an sich arbeiten und hier sich ändern, umkehren.

v    Und das kann und sollte - wie das Evangelium es anregt- durchaus im Verborgenen geschehen, wir brauchen nicht laut rauszuposaunen, was wir ändern wollen. Was wir allerdings öffentlich einander bekennen sollten ist, dass wir Menschen sind, die Fehler haben und die sich bemühen wollen, die kommende Zeit ein wenig zur Umkehr zu nutzen.

v    Und genau das macht das Aschekreuz, das wir gleich aufgelegt bekommen deutlich. Dazu hören wir das, was der Sinn der Vierzigtagezeit ist: Kehr um und glaub an das Evangelium. Amen.

Bußlitanei:

Christus ist unser Retter und Fürsprecher beim Vater. Ihn lasst uns bitten, dass er unsere Sünden vergebe und uns von allem Unrecht reinige.

Ø     Du bist gesandt, den Armen die Heilsbotschaft zu bringen und die Gebeugten aufzurichten. Christus, höre uns. Christus, erhöre uns.

Ø     Du bist gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. Christus, höre uns. Christus, erhöre uns.

Ø     Du hast der Sünderin die Schuld vergeben, denn sie hat dir viel Liebe gezeigt. Christus, höre uns. Christus, erhöre uns.

Ø     Du hast es nicht verschmäht, mit Zöllnern und Sündern Gemeinschaft zu halten. Christus, höre uns. Christus, erhöre uns.

Ø     Du hast das verlorene Schaf auf deinen Schultern zur Herde zurückgetragen.

Ø     Du hast die Ehebrecherin nicht verurteilt, sondern in Frieden gehen lassen. Christus, höre uns. Christus, erhöre uns.

Ø     Du hast den Zöllner Zachäus zur Umkehr und zu neuem Leben gerufen. Christus, höre uns. Christus, erhöre uns.

Ø     Du hast dem reuigen Schächer am Kreuz das Paradies versprochen. Christus, höre uns. Christus, erhöre uns.

 

Segnung der Asche:

Gott, du bist treu und barmherzig. Wir beginnen die heilige Zeit der 40 Tage im Zeichen der Asche. Sie ruft uns in Erinnerung, wie vergänglich unser Leben ist, wie hinfällig wir Menschen auf dieser Erde sind. Wir bitten dich, lass uns unter diesem Zeichen deinem Leben näher kommen. Berühre uns mit deinem Geist, damit wir das Wort Jesu verstehen und uns so auf Ostern vorbereiten. Sei uns nahe mit deiner Kraft, damit wir erkennen, was wichtig ist, damit wir umkehren und nach einem Willen leben, der das Wohl aller Menschen beinhaltet. Darum gib dieser Asche den Segen, als Vater durch den Sohn im Heiligen Geist. Amen.

Austeilung der Asche:

Kehr um und glaub an das Evangelium.

Gabenbereitung: Gl 889, 1-3 "Wenn das Brot"

Gabengebet:

Gott, unser Vater, sieh auf diese Gaben. Sie sind Zeichen unserer Bereitschaft zur Umkehr. Gib uns Liebe zueinander, ohne die wir vor dir nicht bestehen können. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Sanctus: Gl 469

Agnus Dei: Gl 470,2

Schlussgebet:

Gott, unser Heil, lass uns immer tiefer erfahren, was dieses Mahl für unser Leben bedeutet. Gib, dass die vierzig Tage bis Ostern für uns zu einer Zeit des Heiles werden durch Christus, unseren Herrn.

 Segen:

v   Der Herr segne und behüte euch;

v   Er lasse euch wachsen in der Hoffnung und in der Freude;

v   Er stärke euch im Alltag für den Einsatz für sein Reich;

v   Er begleite Euch durch die kommenden 40 Tage.

v    Das gewähre euch der dreifaltige und verlässliche Gott, der Vater und + der Sohn und der Heilige Geist.

Schlusslied: GL 843, 1.2 'Herr, wir bitten: Komm und.."