Aschermittwoch 2006










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Aschermittwoch 2006
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St. Bonifatius, Schapdetten 01.03.2006

Aschermittwoch

 

Zum Einzug: Gl 848, 1-3 'Meine engen Grenzen'

Liturg. Eröffnung:

v      Im Namen des Vaters...

v      Jesus Christus, der uns in der Vierzigtagezeit zur Änderung unseres Lebens einlädt, er sei mit euch!

Einleitung:

v      Liebe Gemeinde, liebe Kinder, bes. liebe Erstkommunionkinder!

v      Ich begrüße Sie und Euch herzlich zu dieser Eucharistiefeier an Aschermittwoch, zu Beginn der Vierzigtagezeit.

v      Unterbrechen, Aufbrechen, Durchbrechen: Unter diese drei Stichworte könnten wir den heutigen Tag und die damit beginnende Zeit stellen.

v      Wir unterbrechen den gewohnten Ablauf unseres Lebens durch Elemente, die anders sind als sonst (Fasten, Einschränkungen etc.).

v      Wir brechen auf, um das Leben neu zu suchen und dem zu begegnen, der uns dieses Leben schenken will.

v      Und wir gehen dem großen Fest entgegen, das uns Christen an den endgültigen Durchbruch durch die bedrückende Schwere von Sünde und Tod erinnert: Ostern!

v      Und für Euch, liebe Erstkommunionkinder, kommt das Fest Eurer ersten heiligen Kommunion immer näher und die Vierzigtagezeit kann helfen, noch einmal bewusst sich zeit zu nehmen, sich auf diese intensive Begegnung mit Gott vorzubereiten.

v      Unterbrechen, Aufbrechen, Durchbrechen: Diese Gedanken können uns auch in dieser Feier begleiten, in der wir uns Zeit für Gottes Wort nehmen, uns die Asche als Symbol des Aufbruchs auf die Stirn zeichnen lassen und dem Herrn im gebrochenen Brot begegnen werden.

v      So wollen wir beten:

Tagesgebet:

Getreuer Gott, im Vertrauen auf dich beginnen wir diese Zeit der Besinnung und Bereitung auf das Osterfest. Wir bitten dich: Begleite und führe uns in diesen 40 Tagen, dass wir uns dir zuwenden, auf dein Wort hören und dir in den Mitmenschen dienen durch deinen Sohn Jesus Christus, unseren Herrn und Bruder, der mit dir und dem Heiligen Geist in unserer Mitte lebt, jetzt und in Ewigkeit.

Lesung: 2 Kor 5, 20- 6,2

Antwortgesang: 168, 1-3 'O, Herr nimm unsre Schuld'

Evangelium: Mt 6, 1-6.16-18

Predigt:

Ø       Liebe Erstkommunionkinder, liebe Gemeinde,

Ø       habt Ihr eine Idee, woher der Mittwoch seinen Namen hat?

Ø       Mitte der Woche

Ø       Aber zählt doch mal nach! Stimmt das? Ist Mittwoch wirklich in der Mitte der Woche?

Ø       Der Wochenanfang hat sich auf den Montag verschoben. Deshalb schauen auch einige merkwürdig, wenn vom als Sonntag als erstem Tag der Woche gesprochen wird.

Ø       Und somit stehen wir heute also in der Mitte der Woche, welche die Mitte und zugleich doch nicht wirklich die Mitte ist – irgendwie seltsam, oder?

Ø       Seltsam sind zudem manche Ansichten, die es in den letzten Jahrhunderten über den Mittwoch gegeben hat, wo er sogar zu einem Unglückstag stilisiert worden ist:
An einem Mittwoch geborene Kinder galten als Unglückskinder oder der Mittwoch war der Hochzeitstag der so genannten gefallenen Mädchen und für stille Hochzeiten. Wichtige wirtschaftliche Geschäfte, etwa im Bereich des Viehhandels, sollten ebenfalls vermieden werden.

Ø       Seinen Namen hat der heutige Aschermittwoch von der Praxis öffentlicher Buße, wie sie die Kirche einstmals kannte: Die Büßer legten ein Bußgewand an und wurden mit Asche bestreut. Bis zum heutigen Tag lassen sich katholische Christen im Aschermittwoch-Gottesdienst mit Asche ein Kreuz auf die Stirn zeichnen – als sichtbares Zeichen ihrer Gesinnung, sich zu ändern und als Erinnerung an die Vergänglichkeit allen Lebens: „Bedenke, Mensch, dass Du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehrst.“

Ø       Mit dem Aschekreuz, das wir Christen uns im Gottesdienst auf die Stirn zeichnen lassen, bekunden wir unsere Bereitschaft zur Umkehr und zu einem Neubeginn. Wichtiger als der Verzicht auf Süßigkeiten, Alkohol, übermäßiges Essen, Rauchen etc. sollte jedoch während der kommenden Fastenzeit ein Überdenken und „Antwortfinden“ auf grundlegende Fragen sein. Wer bin ich? Was macht mein Leben aus? Woran hänge ich? Was bleibt am Ende? Worauf kommt es im Leben wirklich an? Wer und was ist (sollte) mir wichtig (sein)?

Ø       Und die Vierzigtagezeit kann dazu beitragen, ein bestimmtes Fehlverhalten, eine bestimmte Sünde zu vermeiden, besser gesagt, einen Fehler ins positive zu wenden.

Ø       Der christliche Glaube steht immer auch unter dem Anspruch, lebensfördernd und gesellschaftsgestaltend sein, gerade auch im Hinblick auf die heranwachsende Generation. Wir kennen die Horrorgeschichten, dass junge Menschen nicht mit ihrem Leben zurechtkommen und scheitern. Und Soziologen sehen einen wesentlichen Grund in der Verweichlichung, dazu habe ich eine kleine Geschichte gefunden.

Ø       Einem Zoo war es gelungen, ein seltenes Vogelpaar erfolgreich im Käfiggehege anzusiedeln. Das Paar hatte mehrere Junge zur Welt gebracht, die prächtig gediehen. Aber zum Zeitpunkt, wo sie flügge werden sollten, machten sie keinerlei Anstalten, das Nest zu verlassen. Sie saßen auf dem Nestrand, sperrten ihre Schnäbel auf und forderten immer ungestümer nach Nahrung, welche die Eltern – unterstützt vom Zoopersonal – auch brav herbeischafften. Schließlich waren die Jungen so groß und schwer wie die Eltern, aber sie machten keine Versuche fortzufliegen. Eine Untersuchung der Flügel ergab, dass sie intakt und funktionsfähig waren. Erst Verhaltensforscher kamen dem Rätsel auf die Spur: In freier Wildbahn fiel es den Eltern viel schwerer, genügend Nahrung für die Jungen zu finden. Sie mussten immer weiter vom Nest auf Suche gehen. Die Folge war, dass die Jungen immer länger sich selbst überlassen blieben und sie, vom Hunger getrieben, sich selbst auf die Suche machten und dabei auch lernten, ihre Flügel zu gebrauchen. Warum sollten die Jungen unter den paradiesischen Zuständen des Zoolebens den unbequemen Schritt in die Selbstständigkeit tun?

Ø       Ich finde, die Geschichte lädt uns ein, zu entdecken, was in uns steckt; Verantwortung für uns übernehmen und auch eine Kultur der Beständigkeit zu entwickeln. Das Gegenteil davon wäre die in der christlichen Tradition bekannte Todsünde der Acedia, der Trägheit.

Ø       Und ich glaube eine Vierzigtagezeit, die diesen Aspekt in den Mittelpunkt stellt, ist auch gesellschaftlich relevant. Es ist eine Kultur die unsere Gesellschaft dringend braucht und die vermutlich vielen von uns manchmal – mich eingeschlossen - schwer fällt.

Ø       Ich möchte einige Beispiele zur Acedia, der Trägheit vorstellen.

Ø       Freunde von mir betreiben ein Geschäft und haben, nachdem sie lange gedrängt wurden, eine Schülerin in den Ferien eingestellt. Sie ist zweimal gekommen, dann nicht mehr. Sie hat sich auch nicht abgemeldet. Sie haben zwei Tage gewartet und dann angerufen. Die Mutter sagte, die Tochter wäre etwas ermüdet von der Arbeit, da habe sie ihr gesagt. Bleib doch zuhause und wenn du wieder Lust hast, dann gehst du wieder hin. Sie haben noch einen Versuch mit jemand anders gewagt, der auch schief ging. Jetzt nehmen sie in den Ferien keine Schüler mehr.

Ø       Eine Bekannte, die einen Kinder- und Jugendchor leitet, stöhnt über die Unzuverlässigkeit der Kids. Wer zu oft fehlt, darf nicht bei den Auftritten mitsingen. Wenn sie es jemanden verbietet, rücken ihr die Eltern auf die Pelle und finden 1000 Ausreden und meckern sie aus.

Ø       Termine werden kurzfristig abgesagt oder vergessen, es fehlt manchmal eine Verbindlichkeit.

Ø       Oder ich traf einen Bundeswehrpfarrer, der über die Gruppe, die er seelsorglich nach Afghanistan begleiten sollte, stöhnte. Er wäre sich sicher, dass es bei vielen nicht gut gehen würde. Wären es doch viele, die eine Lehre abgebrochen hätten, weil ihnen das frühe Aufstehen zu anstrengend gewesen sei.

Ø       Oder manche fangen erst das eine an, dann etwas anderes und kurze Zeit später wieder was neues. Kontinuität fehlt.

Ø       Verweichlichung bzw. Acedia, Trägheit ist angesagt: Die dritte Etage per Aufzug erreichen; mit dem Auto zum 200 m entfernten Zigarettenautomaten fahren; Schulaufsätze aus dem Internet herunterladen – immer zum Preis körperlicher und geistiger Schlaffheit.

Ø       Vor kurzem bewunderte ich eine Mutter an der Kasse des Supermarktes. Ihre kleine Tochter packte direkt an der Kasse zunächst unbemerkt noch etwas Süßes in den Wagen. Die Mutter nahm es wieder raus. Es gab Riesenprotest des Kindes. Die Mutter blieb konsequent. Obwohl sie plötzlich im Mittelpunkt des Interesses stand und eine andere gute Tipps bereit hielten und jemand sogar dem Mädel anbot, ihr das Ü-Ei zu kaufen, wenn Mama es nicht tät.

Ø       Der Soziologe Albert Wunsch fasste das moderne Dilemma mal so zusammen. „Alte Werte sind verloren gegangen: Ohne Fleiß (und Schweiß) kein Preis. Lernen darf, aber muss nicht Spaß machen. Satte Bäuche mögen sich nicht anstrengen. Sie schielen sehnsüchtig nach dem Wochenende, um dann in den Pool der Spaßkultur abzutauchen. Aber zum Erfolg und zum Lebensglück gibt es keinen Lift, da muss man die Treppe benutzen.“

Ø       Dazu passt auch übrigens das Ergebnis einer Studie über Fernsehkonsum, der andere Aktivitäten verdrängt und dazu führt, dass  25 Prozent der eingeschulten Kinder schulunfähig sind, weil es ihnen an Sprachfähigkeit fehlt.

Ø       Eine solche Entwicklung betrifft auch die Kirche. So fand ich folgenden Bericht eines vermutlich etwas gefrusteten Pfarrers

Ø       „Vor 15-20 Jahren kamen 30 Jugendliche um 6.20 Uhr zur Frühschicht. Zweimal die Woche! Heute ernten wir bei einer Einladung dazu nur ein müdes Lächeln. Die den Messdienerplan erstellen, meinten schon vor zehn Jahren: In den Ferien schreiben wir keine Messdiener auf, die sollen sich doch ausruhen.  Bei unseren vielen hätte das eigentlich geheißen, einmal morgens in den Ferien etwas früher aufstehen. Jetzt macht das ein 83-Jähriger – gerne. Wer als Ministrant einen anderen um Ersatz anruft, bekommt äußerst selten eine positive Antwort: Die können alle nicht! Manchmal fehlt fast die Hälfte derer, die aufgeschrieben sind. Liegt das weit entfernt von dem Rat einer Mutter?: „Im Bus brauchst du für andere nicht aufzustehen, schone dich fürs Leben!“ Wie viele Familien kamen noch vor ein paar Jahren geschlossen zum Gottesdienst! Jetzt meinen viele, dafür keine Zeit mehr zu haben, schlafen aus oder treffen sich zum Brunch.“

Ø       In der Vierzigtagezeit geht es gleichsam um ein Ringen und Bewusstwerden um die grundlegendsten Fragen des Lebens. Eine klare Antwort darauf zu finden, hilft mehr als „äußerliches Fasten“, bzw. dieses kann nur unterstützende Wirkung haben.

Ø       Die Vierzigtagezeit kann helfen, alte, manchmal etwas in den Hintergrund getretene Werte bzw. deren Gegenteil, eine Sünde wie die Acedia, die Trägheit neu in den Blick zu nehmen.

Ø       Genauso wie der Mittwoch die Mitte der christlichen Woche bildet, so kann die Fastenzeit helfen, die Mitte meines Lebens zu finden. Der Aschermittwoch und die Fastenzeit sind keine Unglückstage – sie können dem Leben sogar neuen Sinn geben! Und sie können einen wesentlichen Beitrag von uns Christen für unsere Gesellschaft darstellen.

Segnung der Asche:

Barmherziger Gott. Wir wissen, dass Asche und Staub auf uns warten, aber am Ende das Kreuz steht, das du uns barmherzig entgegenhältst wie einen Schlüssel, der alle Türen öffnet. So segne diese Asche und alle, die gekommen sind, mit dir an der Seite einen neuen Anfang zu wagen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Austeilung der Asche:

Fürbitten:

Dieser Tag erinnert uns, dass wir zum neuen Leben berufen sind. Mit all dem, was uns daran hindert, kommen wir zu Gott und beten:

Ø       Für alle Menschen, die vom Alltagstrott gefangen sind und keinen Sinn mehr in ihrem Leben finden können: Lass sie erkennen, zu welchem Ziel sie unterwegs sind. Gott, unser Vater...

Ø       Für alle Menschen, die sich um einen neuen Anfang bemühen und sich schwer tun, von alten Gewohnheiten zu lassen: Schenke ihnen Kraft zum Aufbruch. Gott, unser Vater...

Ø       Für alle Menschen, die Angst haben vor dem langen Weg, der vor ihnen liegt: Stelle ihnen treue Begleiter an die Seite und stärke ihren Glauben an einen österlichen Durchbruch. Gott, unser Vater...

Ø       Für uns selbst, die wir Ostern entgegen gehen: Schenke uns einen klaren Blick für unser Leben und Mut zur Veränderung. Gott, unser Vater...

Ø       Für die christlichen Gemeinschaften. Schenke ihnen  wieder den Blick für eine Kultur der Anstrengung und der Pflichten. Gott, unser Vater...

Ø       Für alle, die uns auf dem Weg zum Leben schon vorausgegangen sind: Lass sie teilhaben am ewigen Osterfest. Gott, unser Vater...

Denn du, o Gott, willst, dass wir umkehren und leben. Dir sei Lob und Preis in Ewigkeit.

Gabenbereitung: Gl 889, 1-3 "Wenn das Brot"

Gabengebet:

Gott, unser Vater, sieh auf diese Gaben. Sie sind Zeichen unserer Bereitschaft zur Umkehr. Gib uns Liebe zueinander, ohne die wir vor dir nicht bestehen können. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Sanctus: Gl 469

Agnus Dei: Gl 470,2

Schlussgebet:

Gott des Lebens, in diesem Mahl hast du uns gestärkt. Lass uns in dieser Fastenzeit die Möglichkeit zur Versöhnung und zum Einsatz für das Leben nützen. Begleite du uns durch die Zeit, heute und alle Tage unseres Lebens und darüber hinaus durch Jesus Christus, deinen Sohn und unseren Bruder. Amen.

Segen:

v    Der Herr segne und behüte euch;

v    Er lasse euch wachsen in der Hoffnung und in der Freude;

v    Er stärke euch im Alltag für den Einsatz für sein Reich;

v    Er begleite Euch durch die kommenden 40 Tage.

v      Das gewähre euch der dreifaltige und verlässliche Gott, der Vater und + der Sohn und der Heilige Geist.

Schlusslied: GL 843, 1.2 'Herr, wir bitten: Komm und.."