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Festeucharistie 50 Jahre Kirchweih St. Bonifatius

 

 

 

 

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Festeucharistie   
50-Jahre-Pfarrkirche St. Bonifatius

Holsterhausen, 04.06.2011, 18.30 Uhr

 

Einzug: 962, 1+5

Liturg. Eröffnung:

Ø     Im Namen des Vaters...

Ø     Gott, groß in seinen Heiligen, er sei mit euch!

Einleitung: bitte Platz nehmen

Ø     Liebe Gemeinde, liebe Gäste,

Ø     wir feiern heute das 50jährige Weihejubiläum unserer Pfarrkirche St. Bonifatius.

Ø     Sie löste 1961 nach knapp 2jähriger Bauzeit die dem hl. Bonifatius geweihte Notkirche ab, die seit Beginn des 1922 eingerichteten Rektorat, das 1952 zur Pfarrei erhoben wurde, als Gottesdienstort genutzt wurde.

Ø     Der Name einer Pfarrei kann in gewisserweise auch als ein Programm der Pfarrei verstanden werden. Daher wird ja auch so um die Namen der Fusionsgemeinden gestritten.

Ø     Und insofern möchte ich Sie einladen, im heutigen Festgottesdienst ein wenig über Bonifatius und seine Bedeutung für heute nachzudenken. Denn Bonifatius ist ein wirklich faszinierender Heiliger und wird auch Apostel der Deutschen genannt, weil er großen Anteil daran hatte, dass wir Deutschen zu Christen wurden und er kann uns auch heute in unserer etwas entchristlichten Zeit noch viele Impulse geben

Ø     In meiner ehemaligen Gemeinde St. Bonifatius zu Schapdetten habe ich in einem Theaterstück mitgespielt, das den Titel Bonifatius trug. Im Prinzip empfand ich dieses Tun auch als ein Stück Verkündigung.
Der Autor des Stückes, der mittlerweile leider verstorbene Kirchenjournalist Werner Eckhardt, bemühte sich darum, das Stück in der Zeit des Bonifatius spielen zu lassen und ein Stück Lokalgeschichte mit zu verarbeiten. Bonifatius soll zwei Thetten getauft haben, so heißt es in einem päpstlichen Schreiben, das ihm zu dieser Taufe gratuliert.

Ø     In diesem Stück wurde für mich eine spannende Gemengelage deutlich. Das Christentum war nicht unbekannt, einige haben davon gehört, aber insgesamt blieb das Christentum und was es ausmacht sehr nebulös. Ähnlich wie heute. Das Christentum ist nicht unbekannt, aber vielen eher weniger vertraut.

Ø     Bonifatius wird in dem Theaterstück von den Germanen mit dem Vorwurf konfrontiert, er habe mit dem Fällen einer Donareiche einen Frevel begannen. Manche würde ihn dafür am liebsten lynchen.

Ø     Bonifatius hingegen versucht deutlich zu machen, dass das Christentum bei Vorstellungen andocken kann, die auch den Germanen vertraut und teuer waren.

Ø     „Ihr solltet alle wissen, dass wir Christen nach den Zehn Geboten leben, die alleine imstande sind, Frieden unter den Menschen zu wahren.

Ø     Wer etwa möchte sich dagegen auflehnen, wenn es heißt, dass wir des Nächsten Eigentum achten sollen.

Ø     Oder dass wir nicht falsches Zeugnis wider unseren Nächsten reden sollen.

Ø     Mag einer hier in der Runde etwa nicht dafür einstehen Vater und Mutter zu achten.

Ø     Oder soll etwa Ehebruch nicht zu den größten aller Sünden zählen!

Ø     Für Mörder habt ihr Germanen auch nur Strafe und Verachtung übrig.

Ø     Im siebten Gebot gar wird das Eigentum beschützt.

Ø     Doch wir Christen wollen, dass neben unserem Gottvater keine anderen Götter und nicht irgendeine andere Gottheit verehrt wird.“

Ø     Ist das nicht auch heute unsere Situation? Die Werte Eigentum, Schutz des Lebens, gelingende Beziehungen, vertrauensvolles Miteinander sind doch auch uns wichtig.

Ø     Und auch wenn wir bisweilen anderen Göttern hinterherlaufen (Geld, Karriere, Macht, Konsum, Zerstreuung), spüren doch die meisten im Innerstern, dass das allein nicht reicht, dass das nicht wirklich glücklich macht, dass noch etwas Entscheidendes fehlt.

Ø     Könnte das nicht unser Gott sein, ein Gott des Lebens, der wirklich will, dass wir das Leben in Fülle haben.

Ø     Bitten wir Gott daher um sein Erbarmen, seine Hilfe bei den notwendigen Suchbewegungen nach dem Gott, der will, dass wir das Leben in Fülle haben.

Kyrie: Chor

Gloria: Chor

Tagesgebet: (Bonifatius, 5.6.)

Herr, unser Gott, erhöre die Bitten deiner Gläubigen, die heute in besonderer Weise des heiligen Bonifatius gedenken. Auf seine Fürsprache schenke uns deine Hilfe, damit wir den Glauben treu bewahren, den er unseren Vätern gepredigt und mit seinem Blut besiegelt hat. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Lesung: Apg 26, 19-23 (Bonifatius, 5.6)

Antwortgesang: Bonifatiuslied (2 Str.) (Chor)

Halleluja: Chor/Gemeinde

Evangelium: Joh 15, 14-16a.18-20 (Bonifatius, 5.6)

14Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage.

15Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.

16aNicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt.

18Wenn die Welt euch hasst, dann wisst, dass sie mich schon vor euch gehasst hat.

19Wenn ihr von der Welt stammen würdet, würde die Welt euch als ihr Eigentum lieben. Aber weil ihr nicht von der Welt stammt, sondern weil ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt.

20Denkt an das Wort, das ich euch gesagt habe: Der Sklave ist nicht größer als sein Herr. Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen; wenn sie an meinem Wort festgehalten haben, werden sie auch an eurem Wort festhalten.

Halleluja: Chor/Gemeinde

Predigt:

Ø     Liebe Gemeinde,

Ø     Heilige sind wie Zeichen, die Gott aufgestellt hat. So haben wir gesungen. Und deshalb kann es eine gute Hilfe sein, zu sehen, welche Impulse sie uns geben können, heute die belebende Kraft des christlichen Glaubens zu leben und weiterzugeben.

Ø     Der Heilige Bonifatius war ein großer Heiliger im doppelten Sinne. Er war für seine Zeit außergewöhnlich groß gewachsen, 1 Meter 90!

Ø     Aber nicht seine körperliche Größe ist das Besondere des hl. Bonifatius. Schriftliche Zeugnisse aus seiner Zeit und noch heute sichtbare Zeugen seiner kirchlichen und politischen Wirksamkeit geben Auskunft über seine Größe als Mensch und Christ.

Ø     Bonifatius wurde als Winfried um 672 im englischen Wessex geboren. Die britannische Kirche zeichnete sich damals u. a durch ihre besondere Nähe zum benediktinischen Mönchtum aus. So gelangt Winfried schon als Kind in das Benediktinerkloster Exeter, später kommt er in das Kloster Nursling. Mit etwa 30 Jahren wird er zum Priester geweiht, ist tätig als Lehrer und befasst sich mit Fragen der Kirchenorganisation.

Ø     Mit etwa 40 Jahren im Jahre 716 bricht Winfried aus der geordneten Welt des Klosters zu seiner ersten Missionsreise auf den europäischen Kontinent auf. Allerdings kehrt er erfolglos in sein Kloster Nursling zurück.

Ø     Doch schon zwei Jahre später zieht er wieder los. Als Symbol seiner Sendung erhält Winfried einen neuen Namen: Bonifatius, übersetzt: derjenige, der Gutes tut, der Wohltäter.

Ø     Bonifatius wendet sich zunächst nach Thüringen, dann auch nach Hessen. Dort kann er viele Menschen zum christlichen Glauben bekehren.

Ø     Nachdem der Papst ihn zum Bischof ernannt hat, holt Bonifatius zur Unterstützung in der Mission Verwandte und Freunde aus seiner Heimat. Es kamen Willibald, Wunibald, Walburga. Das Wirken der Frauen fand Niederschlag in der Gründung der Klöster Tauberbischofsheim, Kitzingen und Ochsenfurt.

Ø     Im Jahre 744, Bonifatius ist immerhin schon um die 70 Jahre alt, gründete er die Abtei Fulda, die sein Lieblingskloster werden sollte.

Ø     Was sich nach außen wie eine einzige Erfolgsgeschichte anhört, hatte aber für Bonifatius auch einen hohen Preis. Er schrieb einmal:
„Über allem das Schlimmste sind die Ränke falscher Brüder, die die Bosheit ungläubiger Heiden noch überbieten. Überall Mühsal, überall Leid. Außen Kämpfe, innen Ängste.“

Ø     Bonifatius, der mit einem ungeheueren Tatendrang zu Werke ging, der gegen viele Widerstände mit Zähigkeit und Ausdauer seine Ziele im Auge behielt, wird in diesen Zeilen als menschlicher Heiliger sichtbar. Auch seine Briefe an seine Verwandte Lioba lassen erahnen, dass er sehr wohl Enttäuschungen hinnehmen musste.

Ø     Die schwierigen Umstände verführten ihn aber keineswegs dazu, zu jammern und zu klagen und im Selbstmitleid zu verharren. Er packte die Arbeit an.

Ø     Als Achtzigjähriger wurde Bonifatius nochmals Missionar. Er ging mit etlichen Gefährten nach Friesland. Dort wurde er während einer Firmspendung am 5. Juni von den Friesen erschlagen. Der Legende nach soll er das Evangelienbuch schützend über sich gehalten haben. Das mit einem Schwert durchstoßene Buch ist deshalb auch sein Heiligenattribut geworden.

Ø     Bonifatius ist ein großer Heiliger. Und er ist ein Heiliger, der nicht auf seine eigene Größe baut. Das Evangelienbuch, das er über sich hält, ist mehr als eine vergebliche Abwehr gegenüber dem tödlichen Schlag. Bonifatius, der mit dem Buch dargestellt wird, zeigt, woher er seine Kraft und seine Einsatzbereitschaft bezogen hat. Er vertraut der Macht des göttlichen Wortes. Er glaubt, dass Gott und sein Wort der frohen Botschaft sich durchsetzen gegen alle Widerstände und Feindseligkeiten.

Ø     Bonifatius bleibt diesem Glauben bis zum Tod treu. Mitten in der eigenen Ohnmacht vertraut Bonifatius der Macht Gottes. So macht Bonifatius Mut zur Standhaftigkeit im Vertrauen auf die Hilfe Gottes.

Ø     Ich glaube, das ist auch heute ein wesentlicher Baustein für die Weitergabe des Glaubens, dass zunächst wir selbst in großer Treue am Glauben festhalten, dass wir uns im Zwiegespräch mit Gott immer wieder neu um unseren Glauben bemühen. Dazu brauchen wir einander, unsere Gemeinden und Gruppen, in denen Glaube und Gebet ihren Platz haben.

Ø     Allein durch den gelebten Glauben können wir auch heute glaubwürdige Zeugen des Evangeliums sein.

Ø     Und ich bin davon überzeugt, dass nur ein wirklich gelebter Glaube es ermöglicht, dass wir Christen ein ernstzunehmender Gesprächspartner im interreligiösen Dialog sind, der in unsere globalisierten und zusammenwachsenden Welt immer wichtiger wird.

Ø     Deutlich wurde mir das bei einer Tagung, die sich damit beschäftigte, wie wir als Christen dem Islam begegnen können.

Ø     Der Referent, Prof. Dr. Troll, ein höchst anerkannter Jesuit und Islamwissenschaftler, bemühte sich einerseits, uns den Islam von Innen heraus, aus seinen geistigen Wurzeln und seiner spirituellen und gelebten Tiefe heraus nahezubringen und verschwieg zugleich nicht die Gefahren des Islam.

Ø     Pater Troll vertrat sehr überzeugend die Meinung, dass wir Christen in einem Punkt heute ganz viel von der Glaubenspraxis der Muslime lernen könnten.

Ø     Ihn fasziniert es, wie sehr in Deutschland auch heute der Alltag der Muslime von der Religion geprägt würde. Er würde immer wieder sehr nachdenklich, wenn er bei muslimischen Freunden und in vielen muslimischen Gemeinden hautnah erleben würde, dass Gott für die Muslime etwas ganz wichtiges in ihrem persönlichen Leben sei und dass ganz viele von ihnen mehrfach täglich die Gebetszeiten auch halten würden.

Ø     Besonders beeindruckt war er davon, dass dem gerade geborenen Baby als erstes in das Ohr geflüstert würde: „Ich bezeuge: Es gibt keinen Gott außer Gott.“

Ø     Für den Islam ist ein Leben mit Gott der einzige richtige Weg überhaupt, den ein Mensch sinnvoller Weise gehen kann. Diese ersten Worte, die ein muslimischer Mensch hört sind auch die letzten Worte, die ihm nach seinem Tod noch einmal mit auf den Weg gegeben werden. „Ich bezeuge: Es gibt keinen Gott außer Gott.“

Ø     Das Leben der Muslime ist elementar von dem Bewusstsein geprägt, dass sie Geschöpfe Gottes sind. Eine alte arabische Legende erzählt, dass Gott die Menschen noch vor ihrer Erschaffung versammelt habe und sie ihm versprachen, ihn nie als ihren Gott zu vergessen. Diese Legende prägt bis heute das Leben der Muslime, auch hier bei uns in Deutschland.

Ø     Pater Troll beeindruckt bei den Muslimen zudem der auch ohne Scheu in der Öffentlichkeit vollzogene Glauben. So ist es für viele ganz selbstverständlich, bspw. auf einem Rastplatz an der Autobahn eben den Teppich auszupacken und zu beten. Die Muslime hätten sich etwas bewahrt, was uns Christen vielfach verloren gegangen sei.

Ø     Und er erzählte nachdenklich, dass auch Freunde von ihm, die Christen seien und durchaus regelmäßig zur Kirche gingen, es befremdlich fänden, wenn er offen in einem Restaurant vor dem Essen das Kreuzzeichen mache und bete. Oder er vermisse es bei uns in Deutschland, dass - wie er es in anderen Ländern, in denen er gelebt hätte, kennen würde - öffentliche religiöse Orte wie Bildstöcke und Kreuze am Wegesrand zu einem kurzen Gebet animieren würden.

Ø     Ähnlich gerieten das Morgengebet, das Gebet vor dem Schlafen oder das regelmäßige Tischgebet in Vergessenheit. All das seien jedoch Elemente, die uns Christen immer wieder ins Bewusstsein bringen würden: Gott ist unser Herr und Schöpfer, ihm verdanken wir unser Leben, er ist der Maßstab unseres Lebens. Solche das Leben prägende religiösen Riten gäbe es immer weniger! Und auch der Mut in der Öffentlichkeit bewusst den Glauben zu leben und zu ihm zu stehen, nehme seinen Beobachtungen gemäß ab.

Ø     Was ihm daher große Sorge hinsichtlich des Islam bereiten würde, wäre neben dem politischen und fundamentalistischen Islam vor allem, dass wir Christen dem muslimischen Glauben spirituell in unserer Glaubenspraxis immer weniger entgegen zu setzen haben. 

Ø     Damit deckt sich seine Auffassung mit dem ehemaligen Präsidenten der Schweizer Bischofskonferenz, Amédée Grab. "Wenn es ein Problem gibt, ist es nicht die Stärke der Muslime, sondern die Schwäche der Christen."

Ø     Wie ganz anders war vor mehr als 1250 Jahren Bonifatius. Er hat sich für den Glauben eingesetzt. Der Glaube an Gott war so etwas kostbares für ihn, dass er unermüdlich sich bemühte, Menschen von seinem Glauben zu überzeugen.

Ø     Er zeigte, dass sein (und unser) Gott der einzige Gott ist, der diesen Namen auch verdient.

Ø     Angesichts des großen Einsatzes des Bonifatius für seinen Glauben vor mehr als 1250 Jahren und der heutigen Schwäche des Christentums zumindest in Deutschland stellen sich mir angesichts des muslimischen Glaubenslebens zwei Fragen.

Ø     Die erste Frage lautet: Ist Gott für uns wirklich wichtig? Wollen wir unser Leben wirklich mit ihm leben?

Ø     Ignatius, mein Lieblingsheiliger, schreibt in seinem Exerzitienbuch unter der Überschrift ‚Prinzip und Fundament: „Der Mensch ist geschaffen, um Gott, unseren Herrn, zu loben, ihm Ehrfurcht zu erweisen und zu dienen.“

Ø     Es geht hier um das Fundament, auf dem alles Weitere aufbaut.

Ø     Verweilen wir zuerst bei dem ersten Gedanken: „Wir sind geschaffen. Wir sind von Gott gewollt, so wie wir sind.“

Ø     Wir sind geschaffen; nicht nur am Beginn unseres Lebens oder am Beginn der Welt, sondern jetzt, in diesem Augenblick: Wir sind jetzt da, wir existieren jetzt, weil Gott uns am Dasein erhält. Das heißt Schöpfung.

Ø     Wir sind geschaffen; nicht, weil Gott uns für etwas anderes braucht. Wir bauen Autos und Flugzeuge, weil wir sie brauchen. Gott fehlt nichts. Gott ist vollkommen. Die Werke der Schöpfung sind Ausdruck seiner Liebe und Güte. Wir sind Ausdruck der Güte und Liebe Gottes.

Ø     Es gibt verschiedene Fundamente, auf denen die Menschen ihr Lebenshaus bauen.

Ø     Manche bauen auf ihren eigenen Erfolg. Sie denken: „Ich hab’s zu etwas gebracht. Ich habe etwas geleistet. Ich habe eine Daseinsberechtigung.“

Ø     Andere bauen das Haus ihres Lebens auf ihrer Schönheit, Intelligenz, auf andere körperliche und geistige Vorzüge. Sie denken: „Ich bin so schön, ich bin so gescheit, ich bin so talentiert. Ich habe eine Daseinsberechtigung.“

Ø     Wieder andere bauen das Haus ihres Lebens auf den guten Ruf: „Die Leute halten was von mir. Ich bin wichtig. Man kann von mir Gutes in der Zeitung lesen. Ich habe eine Daseinsberechtigung.“

Ø     Diese Fundamente aber sind nicht gerade sicher. Da können Welle kommen und alles ziemlich schnell wegspülen, was einem wichtig war: die Wellen der Erfolglosigkeit, die Tiefen der Krise, die Wogen des Alters, das Auf und Ab der öffentlichen Meinung. Solche Fundamente führen zu ständiger Angst und Selbstüberforderung.

Ø     Deshalb ist es gut auf ein anderes Fundament zu bauen, auf Gott. Denn in seinen Augen ist jeder und jede von uns unendlich wertvoll und kostbar. Gott liebt uns nicht quasi nachträglich, nachdem wir da sind, sondern: Wir sind da, weil Gott uns liebt.

Ø     Wir sind geschaffen. Dieser Glaube, befreit. Er macht uns frei von dem Zwang, anderen immer wieder beweisen zu müssen, dass wir ein Existenzrecht haben. Dass Gott uns liebt, ist Grund genug für unser Dasein.

Ø     Ist Gott für uns wirklich wichtig? Wollen wir unser Leben wirklich mit ihm Leben? Das ist die erste Frage, die uns der Islam heute stellt.

Ø     Und die zweite Frage folgt konsequenterweise aus der ersten Frage: Wie können wir auf diese Liebe antworten? Welche Wege können wir heute gehen? Wie können wir den Mut finden, überzeugend unseren Glauben zu leben?

Ø     Da dies Stoff für eine ganze Predigtreihe wäre, möchte ich nur drei kurze Gedankenanstöße geben.

1.     Angesichts der kirchenpolitisch schwierigen Zeit kommt es m. E. erstens entscheidend darauf an, zu einer geistigen Tiefe zu finden, nicht bei organisatorischen Fragen zu lange stehen zu bleiben, sondern sowohl als Einzelperson als auch als Kirche vor Ort immer wieder die Mitte zu suchen, Gott. Und sich von ihm befreien zu lassen, weil er uns als erstes geliebt hat, aus Liebe unser Dasein geschenkt hat und erhält.

2.     Zweitens scheint es mir wichtig zu sein, immer wieder als Gemeinde und vor allem persönlich Ausdrucksformen zu suchen, wie wir unseren Glauben so leben, dass er unseren Alltag prägt und dass der Glaube öffentlich wahrgenommen wird.

3.     Ein drittes Element ist mir angesichts der von den Bischöfen in Auftrag gegebenen Studie zur heutigen religiösen Situation und zu den Erwartungen an Kirche aufgegangen. Menschen, die modernen Lebensstilen zuzurechnen sind und die oft weit weg von Kirche zu sein scheinen, haben dennoch entscheidende Erwartungen an die Kirche und ihre Mitglieder. Sie möchten eine Kirche erleben, die selbstbewusst ist. Sie suchen nach Christen, denen anzumerken ist, dass sie gerne Christen sind und der Glaube sie trägt.

Ø     Liebe Gemeinde,

Ø     Bonifatius vertraute der Macht des göttlichen Wortes. Er glaubte, dass Gott und sein Wort der frohen Botschaft sich gegen alle Widerstände und Feindseligkeiten durchsetzen wird.

Ø     Er lädt uns heute ein, diese Zuversicht zu teilen und sich für das Wort Gottes einzusetzen und aus dem Wort Gottes zu leben. Damit wir als Christen ernsthafte Gesprächspartner sind, für andere Religionen und natürlich auch für Menschen, die heute nach dem Sinn Ihres Lebens und damit letztlich nach Gott suchen.

Ø     Und Bonifatius lädt uns ein, dass wir immer Suchende bleiben, die immer wieder neue Aspekte in ihrem Glauben entdecken. Zugleich ermuntert er uns, dass wir Fragende bleiben, wie hier und heute Christsein gelingen kann und wie Christsein missionarisch sein kann.

Ø     Und daher, liebe Gemeinde, lassen Sie uns – egal was uns kirchenpolitisch alles noch so begegnen wird, neben unserem Gott auch nie unseren Bonifatius, den Patron dieser Pfarrkirche vergessen. Amen.

Lied: # 883, 1.3 ‚Suchen und fragen’

Fürbitten:

An unserem 50jährigen Kirchweihfest und im Gedenken an den heiligen Bonifatius sind wir hier vereint und bitten unseren Herrn und Gott:

Ø     Lass die deutschen Bischöfe, die sich immer wieder am Grab des heiligen Bonifatius versammeln, in seinem Geist einen guten Weg für unsere Gemeinden finden. Gott, unser Vater....

Ø     Stärke deine Kirche auf den neuen Wegen zur Verbreitung des Glaubens in unserer Zeit. Hilf der Pfarrei St. Bonifatius auf ihrem Weg in neue Strukturen und sei ihr nahe bei der Suche nach ihrer Identität. Gott, unser Vater...

Ø     Schenke allen Gläubigen deinen Geist der Liebe und lass sie mit seiner Hilfe in eine gute Zukunft gehen. Gott, unser Vater...

Ø     Lass alle, die Verantwortung tragen für die Gesellschaft, bei allen Schwierigkeiten immer das Wohl der Menschen im Blick haben. Gott, unser Vater...

Ø     Dir vertrauen wir unsere Toten an: Lass sie in deinem Reich Ruhe und Frieden finden. Wir denken besonders an all die Menschen, die in St. Bonifatius hauptamtlich und ehrenamtlich ihren Dienst versehen haben und alle, die in dieser Kirche und in der Vorgängerkirche gebetet haben. Gott, unser Vater...

Auf die Fürsprache des heiligen Märtyrers Bonifatius erhöre unsere Bitten und nimm unseren Lobpreis an, den wir dir Tag für Tag schenken, heute und in Ewigkeit.

Gabenbereitung: 928,1+3

Gabengebet:

Allmächtiger Gott, um den Martertod des heiligen Bonifatius zu ehren, feiern wir das Opfer deines Sohnes und bekennen, dass jedes Martyrium seinen Ursprung hat in diesem einen Opfer Jesu Christi, der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

PräfationKopie

Sanctus:  # 831

Hochgebet: ‚Gott führt die Kirche’

Agnus Dei: Chor

Mahlspruch:

Ø     So spricht der Herr: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein: wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. Halleluja.

w. d. Kommunion:

Schlussgebet:

Barmherziger Gott, durch diese heilige Speise stärke in uns den Glauben, für den der heilige Bonifatius sich abgemüht und sein Leben hingegeben hat. Festige uns in deinem Dienst, damit wir in Wort und Tat das Kommen deines Reiches verkünden. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Segen: MB 560

Schlusslied: # 639