Früchteteppich 2014






Früchteteppich 2014
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Maria von Heede – Königin des Weltalls

Unsere Welt wird heute von Krisen geschüttelt: Ukraine, Syrien, Irak, Israel-Palästina……

Der diesjährige Früchteteppich nimmt diese Gefährdungen auf.

Im Hintergrund ist eine Weltkarte zu sehen. Davor sehen wir Maria von Heede (Emsland), die als Königin des Weltalls bezeichnet wird.

Als immer deutlicher wurde, wie menschenverachtend die Nazis sind, wird am 19. März 1937 die Enzyklika „Mit brennender Sorge“ in den katholischen Kirchen Deutschlands verlesen. Papst Pius XI. greift in deutscher Sprache, zwei Jahre vor seinem Tod, ungewöhnlich scharf die von den Nationalsozialisten begangenen Brüche von Konkordats-Vereinbarungen an. Der Staat reagiert aufgebracht. Er lässt die Drucker der Schrift verhaften sowie Jugendliche und Geistliche die Weitergabe der Enzyklika mit KZ-Einweisungen bezahlen.

Allerheiligen 1937 erscheint die Gottesmutter 4 Kindern nach einem Gottesdienst.

Die Nachricht von den Marienerscheinungen eilt durch das Emsland. Aus der Umgebung und aus Oldenburg und Westfalen pilgern fromme und neugierige Menschen herbei. Die Nationalsozialisten waren höchst alarmiert durch diesen ‘Ansturm religiöser Begeisterung’. Und ein Gauleiter soll geklagt haben: „Was wir in vier Jahren mühsam aufbauten, das haben vier Kinder in einem Augenblick zerstört.“
Das hat Folgen. Die Gestapo erklärt per Telefon die Vorgänge auf dem Friedhof in Heede für verboten. Die vier Seherkinder werden von der Gestapo verhört. Gegen 18 Uhr riegeln 17 Polizisten die Zufahrten ab. Sperrposten weisen rund 500 Autofahrer ab, die Heede ansteuern wollen, 4000 bis 5000 Menschen, die zur Erscheinungsstelle streben, werden abgefangen. Noch mal so viele Pilger stehen bereits - trotz Verbots - auf dem Friedhof.

Die 4 Kinder werden von Vollzugskräften aus ihren Elternhäusern herausgeholt und in die Heil- und Pflegeanstalt in Göttingen eingeliefert, wo sie sechs Wochen lang bleiben müssen.

 

Zur Besinnung:

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Menschen leisten Widerstand, indem sie öffentlich an Gott festhalten. Mich fasziniert es immer wieder, wie viel Angst die Nazis vor dem öffentlichen Praktizieren der Katholiken hatten. So war auch Fronleichnam für sie eine große Provokation. Zudem sind es 4 Kinder, die ihnen Angst machen. Wirksames Engagement kann also bei jedem anfangen. bullet

Und heute? Leben wir unseren Glauben auch noch öffentlich? Das Widerstandspotential unseres Glaubens kann sich nur öffentlich entfalten. bullet

Stehe ich öffentlich zu Gott, auch wenn ich belächelt werde? Lebe ich meinen Glauben auch öffentlich? bullet

Maria erinnert uns an die Bedeutung des Glaubens und des Gebets, aber sie motiviert auch zum Handeln im Sinne Gottes.

Der Früchteteppich stellt exemplarisch Menschen vor, die in den verschiedenen Kontinenten im Sinne Gottes gehandelt haben: Oskar Romero in Südamerika (El Salvador), Martin Luther King in Nordamerika (USA), Nelson Mandela in Afrika (Südafrika),  Mutter Theresa in Asien (Indien), Sr. Mary MacKillop in Ozeanien (Australien) und Madeleine Delbrêl in Europa (Frankreich).

 

Oskar Romero

Romero wurde 1917 in einer kleinen Gebirgsstadt in El Salvador geboren und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf, am 4. April 1942 empfing er das Sakrament der Priesterweihe.

Am 3. Februar 1977 wurde er zum Erzbischof von San Salvador ernannt. Romero galt bei seiner Ernennung als einer der Wunschkandidaten der Machthaber, bei den Priestern und einfachen Leuten war seine Ernennung umstritten.

Am 28. Februar 1977 schossen Sicherheitskräfte und das Militär auf einen Demonstrationszug gegen die gefälschten Wahlen, zu dem sich bis 50.000 Menschen zusammenfanden. Nach Schätzungen gab es bis zu dreihundert Todesopfer.

Als ein Schlüsselerlebnis beschreibt Romero die Erschießung seines Freundes Rutilio Grande, einem Jesuiten. In der Folge verweigerte er seine Teilnahme an offiziellen Veranstaltungen. Anstelle der Teilnahme an der Amtseinführungsfeier des salvadorianischen Präsidenten Carlos verlas er zur selben Zeit seinen zweiten Hirtenbrief, wo er unter anderem ein „erwachendes Selbstverständnis des Volkes als Glaubens- und Lebensgemeinschaft, die dazu aufgerufen ist, ihre eigene Geschichte in einem Prozess der Erlösung zu akzeptieren, der mit ihrer eigenen Befreiung beginnen soll“ feststellte. Dieser Hirtenbrief führte zu immer mehr Akzeptanz beim einfachen Volk und dem Klerus.

Unterdessen nahmen die staatlichen Repressionen stetig zu und konzentrierten sich zusehends auf den ländlichen Raum und die Interessenvertretungen von Campesinos. Bis Ende des Jahres 1978 gab es etwa 1063 politische Häftlinge, 147 Morde der Sicherheitskräfte und 23 Desaparecidos (Verschwundene, Verschleppte).

In seinem 3. Hirtenbrief betonte er, dass die kirchliche Botschaft religiös sei. Weil das Wort Gottes aber auch konkrete Forderungen enthalte, dürfe es nicht nur gesprochen werden, sondern müsse auch gelebt werden, woraus ein politisches Engagement entstehen könne.

Die Kirche solle daher die Bemühungen um Befreiung mit der christlichen Hoffnung auf eine ganzheitliche Befreiung erhellen.

Romeros Predigten wurden schon länger landesweit und darüber hinaus vom Rundfunk übertragen. Als rechtsextreme Gruppen die kirchliche Rundfunkstation zerbombten, trug dies zu einer weiteren Verbreitung durch andere lateinamerikanische Radiostationen bei.

Im Februar 1980 erwähnte Romero zum ersten Mal in seinen Predigten Todesdrohungen gegen seine Person. Ihm wurde von Nicaragua Asyl angeboten. Romero lehnte dieses Angebot ab, da er sein Volk nicht alleinlassen könne.

Romero wurde am 24. März 1980 während eines Gottesdienstes erschossen. In seiner letzten Predigt am Vortag seines Todes wandte er scharf an die Machthaber:

„Im Namen Gottes und im Namen dieses leidenden Volkes, dessen Klagen jeden Tag lauter zum Himmel steigen, ersuche ich euch, bitte ich euch, befehle ich euch im Namen Gottes: Hört auf mit der Repression!“’

 

Zur Besinnung:

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Nachdem Romero quasi abseits der Realität auf einer ‚Wolke’ gelebt hatte, ließ er sich auf die Realität ein und suchte Antworten auf die Zeichen der Zeit, auch wenn sie unbequem waren. Lasse ich mich auch auf die Realität ein und handele entsprechend, auch wenn es mein bisheriges Denken und meine Gewohnheiten durcheinanderwirbelt. bullet

Romero handelte konsequent nach seinem Gewissen und wich den möglichen Folgen nicht aus. Bin ich bereit, auch unbequeme Wege zu gehen, die mir Ärger einbringen können?

 
 

Martin Luther King

King wurde  am 15. Januar 1929 in Atlanta geboren. Wie alle Schwarzen wurde auch er durch die damalige Rassentrennung in den Südstaaten der USA diskriminiert.

Diese trennte alle Bereiche des täglichen Lebens in schwarz und weiß: Schulen, Kirchen, öffentliche Gebäude, Busse und Züge, selbst Toiletten und Waschbecken. Seine erste negative Erfahrung mit der Rassentrennung machte King bereits mit Beginn seiner Grundschulzeit.

Sein engster Freund in der Vorschulzeit war ein weißer Junge aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Dann mussten sie verschiedene Schulen besuchen, und die Eltern seines Freundes teilten King mit, dass er nicht mehr mit ihrem Sohn spielen könne, weil er schwarz sei. Auf dem College entdeckte er das Reden für sich und belegte bald vordere Plätze bei Studentenwettbewerben in politischer Rede. Er studierte Theologie und beschäftigte sich intensiv mit verschiedenen Theorien zu Gesellschaftsformen.

Er wurde stark von Mahatma Gandhi geprägt, dessen erfolgreicher, von Nächstenliebe getragener Kampf mit dem Mittel der Gewaltlosigkeit ihn tief beeindruckte. King sagte einmal über Gandhi: „Durch diese Konzentration Gandhis auf Liebe und Gewaltlosigkeit entdeckte ich die Methode für soziale Reformen, nach der ich suchte.“

Martin Luther King war zwischen Mitte der 1950er und Mitte der 1960er Jahre der bekannteste Sprecher der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. In dieser Bewegung propagierte er den zivilen Ungehorsam als Mittel gegen die politische Praxis der Rassentrennung in den Südstaaten der USA und nahm selbst an entsprechenden Aktionen teil. Wesentlich durch seinen Einsatz und seine Wirkkraft ist die Bürgerrechtsbewegung zu einer Massenbewegung geworden, die schließlich erreicht hat, dass die Rassentrennung gesetzlich aufgehoben und das uneingeschränkte Wahlrecht für die schwarze Bevölkerung der US-Südstaaten eingeführt wurde. Wegen seines Engagements für soziale Gerechtigkeit erhielt King 1964 den Friedensnobelpreis. Im April 1968 wurde King bei einem Attentat ermordet. In seiner berühmten Rede ‚Ich habe einen Traum’ sagte er:

„Ich habe einen Traum, dass eines Tages wirklich in Alabama kleine schwarze Jungen und Mädchen mit kleinen weißen Jungen und weißen Mädchen als Schwestern und Brüder Hände halten können.“

 

Zur Besinnung:

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Welche Träume haben wir angesichts der Unterdrückung von Christen, Jesiden und vieler anderer religiöser Menschen und was sind wir bereit zu tun?

 

 

Nelson Mandela

 

 

Madiba und Tata (,Vater‘) wurde Südafrikaner liebevoll genannt und dies drückt bereits einen Großteil seiner Bedeutung aus.

Nelson Mandela wurde 1918 in Südafrika, geboren. Seine Familie gehört zum Volk der Xhosa, dessen Sitten und Traditionen seine Kindheit stark prägten. Mandela studierte an dem University College von Fort Hare, einer britisch geprägten Universität, die gleichzeitig auch zu den Trutzburgen gegen die herrschende Vormacht der Weißen in Südafrika zählte.
Nachdem er mit einem Freund vor der Zwangsverheiratung nach Johannesburg floh, begann er eine Ausbildung in einer Anwaltskanzlei und stieg nebenbei auch als Schwergewichtsboxer in den Ring.

Als Vorsitzender der African National Congress-Partei (ANC) setzte er sich für eine Politik ein, die jeden, egal, ob schwarzer oder weißer Hautfarbe, gleich behandeln sollte. Mit einem Freund eröffnete er die erste Anwaltskanzlei Südafrikas, die nur von Schwarzen geleitet wurde.
Aufgrund seines Widerstandskonzeptes gegen die Apartheid wurde Mandela 1952 erst für ein halbes Jahr und in den kommenden Jahren immer wieder für mehrere Jahre gebannt.

Obwohl Mandela sich anfangs für Gewaltverzicht einsetzte, führte er 1961 den bewaffneten Teil der ANC an und war im Untergrund Südafrikas tätig. Wegen der öffentlichen Zustimmung des bewaffneten Kampfes gegen die Regierung, die laut Mandela auf andere Formen des Protestes nicht reagiere, wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt.

Sowohl im eigenen Land durch die ANC, als auch international solidarisierten sich viele Menschen mit Mandela. Zwei Jahre darauf wurde das ANC-Verbot schließlich aufgelöst und Mandela aus der Haft entlassen.

Gemeinsam mit dem damaligen Staatspräsidenten Frederik de Klerk erhielt er 1993 den Friedensnobelpreis, nachdem er eine neue Politik der Versöhnung und der Gewaltlosigkeit propagierte. Ein Jahr später wurde er bei den ersten demokratischen Wahlen Südafrikas zum ersten Präsidenten schwarzer Hautfarbe gewählt.

1999 endete seine Präsidentschaft und Mandela setzte sich als Anwalt für soziale Organisationen ein. Am 5. Dezember 2013 starb Nelson Mandela an den Folgen einer Lungenentzündung im Alter von 95 Jahren.

 

Zur Besinnung:

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Zwei Zitate von Nelson Mandela können uns zum Nachdenken anregen und gewohnte Denkmuster in Frage stellen. bullet

"Ich wusste ganz klar, dass der Unterdrücker ebenso frei sein muss wie der Unterdrückte. Ein Mensch, der einen anderen Menschen seiner Freiheit beraubt ist Gefangener seines Hasses, er ist eingesperrt hinter den Gittern seiner Vorurteile und seiner Engstirnigkeit. (...) Als ich die Türen des Gefängnisses durchschritt, war dies meine Mission: zugleich den Unterdrückten und den Unterdrücker befreien." bullet

‚Ich habe gelernt, dass Mut nicht die Abwesenheit von Furcht ist, sondern der Triumph darüber. Der mutige Mann ist keiner, der keine Angst hat, sondern der, der die Furcht besiegt."

 

 

Mutter Theresa

Die spätere Mutter Theresa wird als Agnes Ganxhe 1908 in Skopje, der heutigen Hauptstadt Mazedoniens (früher Albanien), geboren. Ihre Familie ist in der ganzen Stadt bekannt für ihre Barmherzigkeit mit den Armen. Gemeinsam pflegen sie Arme und Kranke, putzen bei ihnen und versorgen sie mit Essen. 

Sie wissen, was Not ist und teilen die Not anderer.  Für Agnes ist es selbstverständlich, dafür keine Anerkennung zu bekommen.  Die Familie schöpfte Kraft und Liebe aus dem gemeinsamen Gebet, der Glaube ist ihr ‚Angelpunkt’ im Alltag.

Weil Agnes kränkelt, wird das neugierige und begabte Mädchen oft nach Leftnice in Montenegro geschickt.  Der Ort ist bekannt für seine heißen Quellen und sein Marienheiligtum. Hier findet Agnes eine tiefe Beziehung zur Muttergottes.

1928 tritt Agnes in den irischen, ignatianisch verwurzelten Orden Loreto ein und wird in Kalkutta in Indien eingesetzt. Sie unterrichtet an einer Schule Geographie und Geschichte.  Da sie zusätzlich noch an einer anderen Schule unterrichtet, muss sie das Kloster immer wieder verlassen und die Not dieser Stadt begegnet ihr auf Schritt und Tritt. 

1948 tauscht  sie ihr Ordenskleid gegen den weißen Sari mit den blauen Streifen und zieht als freie Ordensfrau durch die Elendsviertel, um den Ärmsten zu dienen und eröffnet ihre erste Schule in einem Elendsviertel. Das Lebenswerk der Mutter Theresa, das viele bewundern werden, beginnt. Schon in den ersten Tagen kommen ihre ehemaligen Schülerinnen und helfen ihr. Die Schule wächst.

Im März 1949 steht die erste Postulantin steht vor der Tür, im Mai sind es schon 3, im November 5. Alles ehemalige Schülerinnen aus Theresas Loreto Zeit. Alles sind ‚höhere Töchter’.

„Wenn ein junges Mädchen der Höheren Kasten zu uns kommt, um den Ausgestoßenen zu dienen, dann ist das eine Revolution. Die größte, die schwierigste. Die Revolution der Liebe.“

Den üblichen Gelübden wird noch ein viertes hinzugefügt: der kostenlose und ungeteilte Dienst an den Ärmsten der Armen.

1995 arbeiten rund 4600 Schwestern in 107 Ländern. Sie alle leben nach der Maxime ihrer Ordensgründerin, die mahnt: ‚Seid freundlich. Besser unseren Schwestern geschehen bei der Arbeit Fehler aus Güte als Wunder durch Strenge.“1997 stirbt Mutter Theresa in Kalkutta.

 

Zur Besinnung:

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Folgende Worte von Mutter Theresa können uns zum Nachdenken bewegen. bullet

„Christus wird uns nicht fragen, wie viel wir geleistet haben, sondern mit wie viel Liebe wir unsere Taten vollbracht haben.“ bullet

„Einsamkeit und das Gefühl unerwünscht zu sein, ist die schlimmste Armut.“ bullet

„Es geht nicht um das, was wir tun oder wie viel wir tun, sondern darum, wie viel Liebe wir in das Tun legen, in die Arbeit, die er uns anvertraut hat.“

 

 

Sr. Mary MacKillop

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Mary MacKillop wurde 1842 in Australien geboren. 1860 begegnete sie dem Pfarrer Woods, der in seiner Pfarrgemeinde Hilfe beim Religionsunterricht für die Kinder brauchte. 1866 gründete sie mit Pfarrer Woods die Kongregation der ‚Schwestern des heiligen Joseph vom Heiligen Herzen’ und die erste Schule dieses Ordens. Die Bildung für Kinder aus armen Verhältnissen war ihr ein Herzensanliegen. Der Orden hat heute über 1.200 Mitglieder und zahlreiche Schulen und Heime für Waisenkinder, Straßenkinder und Kinder aus Aborigines-Gemeinden, Obdachlose, Kranke und ältere Menschen und engagiert sich außer in Australien auch in Brasilien, Neuseeland, Peru, Thailand und Uganda.

Als erste Australierin wurde Maria MacKillop von Papst Johannes Paul II. am 19. Januar 1995 in Sydney seliggesprochen. Ungefähr 200 000 Menschen wohnten der Feier bei, 2010 wurde sie von Benedikts XVI. heiliggesprochen.

Neben ihrem sozialen Engagement und ihrem Einsatz für die Bildung von Kindern, die sonst keine Schule hätten besuchen können, fasziniert ihre Zivilcourage.


 

Obwohl zu ihrer Zeit über den Missbrauch durch Priester ein Mantel des Schweigens gelegt und Vergehen geheim gehalten wurden, nahm sie das Unrecht nicht hin, sondern deckte das Verhalten eines pädophilen Priesters auf. Unverständlicherweise reagierte die Kirche mit einer kurzzeitigen Exkommunikation.

 

Zur Besinnung:

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Die mutige und starke Frau stellt uns eindringlich die Frage, inwieweit wir Unrecht jeglicher Art decken und ob wir bereit sind, Unrecht aufzudecken, auch wenn es für uns persönlich gravierende Folgen haben kann.

 

 

Madeleine Delbrêl 

Madeleine Delbrêl  wurde 1904 in Südfrankreich geboren. Die antiklerikal-liberale Lebenseinstellung sowie die atheistischen Denkweisen ihres Vaters und seiner Freunde beeinflussten die Kindheit und Jugend von Madeleine Delbrêl.

Als Madeleine zehn Jahre alt war, brach der Erste Weltkrieg aus. Im Angesicht der schrecklichen Geschehnisse und beeinflusst von den atheistischen Freunden des Vaters, bekannte sie sich mit 16 Jahren überzeugt zum Atheismus.

Sie studiert in Paris, findet da ihre große Liebe und verlobt sich, doch ihr Freund spürt seine Berufung zum Priestertum, löste die Verlobung und tritt in einen Orden ein.

In der Verarbeitung dieses Schmerzes sucht Delbrêl nach der tiefsten Quelle der Liebe, die sie in der Beziehung erlebt hatte. Sie kam zu dem Schluss, dass die Existenz Gottes logischerweise genauso wahrscheinlich sei wie seine Nicht-Existenz. In dieser Situation entschloss sie sich, zu beten und erlebte in diesen Begegnungen mit Gott ihre Bekehrung.

Sie begann sich in einer Pfarrei zu engagieren und wurde zunächst Gruppenführerin bei den Pfadfindern. Mehr und mehr erkannte Delbrêl, dass ihr Leben mit Gott bei den Menschen und ohne Trennwände sein sollte. So begann sie im Oktober 1931 eine Ausbildung als Sozialarbeiterin, da sie in diesem Beruf eine Möglichkeit sah, ihren Glauben mitten in der Welt zu leben.

In der Pfadfindergruppe äußerten mehrere Mitglieder den Wunsch, eine Caritasgruppe zu gründen und dort als Laien ein Leben nach den evangelischen Räten zu leben. So ging Madeleine Delbrêl mit zwei Gefährtinnen nach Ivry, einer kommunistischen Arbeiterstadt in der Nähe von Paris und übernahm die dortige Sozialstation.

In Ivry entstanden zahlreiche Fabriken und immer mehr Arbeiter strömten in die Stadt.


 

Je mehr Madeleine und ihre Gefährtinnen mit den Lebensumständen der Arbeiter in Berührung kamen, umso weniger konnten sie die Gleichgültigkeit der Gläubigen, vor allem der christlichen Arbeitgeber, gegenüber der Ungerechtigkeit verstehen.

Zusammen mit den Kommunisten setzten sie sich für soziale Gerechtigkeit ein, wollen aber auch gerade in diese atheistische Umgebung die Botschaft des Evangeliums bringen, indem sie danach lebten.

Neben den materiellen und sozialen Problemen war diese Zeit auch von einer Entchristlichung der Bevölkerung und einem sich weiter ausbreitendem Atheismus geprägt.

Die Kirche reagierte darauf mit der Gründung eines Priesterseminars, das Priester dazu ausbildete, besonders in entchristlichten Gebieten zu wirken und auch dort zu leben, die sogenannten Arbeiterpriester. Das Experiment wurde 1953 vorübergehend und 1959 endgültig abgebrochen, u. a. weil eine zu große Nähe zu den Kommunisten vermutet wurde.   

Nachdem es in der Gemeinschaft verstärkt Spannungen aufgrund ihres politischen Engagements gab, kündigte Madeleine 1946 ihre Stellung im Rathaus und zog sich aus dem öffentlichen Dienst zurück. Von nun an führte sie für die Gemeinschaft den Haushalt und kümmerte sich um die zahlreichen Gäste. Sie unterstützte alleinerziehende Mütter mit Kindern, Arbeitslose, streikende Arbeiter, spanische Widerstandskämpfer und setzte sich für die Freilassung politischer Gefangener in Spanien und in den USA ein.

1961 wurde Madeleine von Erzbischof Sartre gebeten, bei den Vorbereitungen für das von Johannes XXIII. angekündigte Zweite Vatikanische Konzil mitzuarbeiten. Madeleine Delbrêl starb am 13. Oktober 1964 an einem Schlaganfall.

Im Getriebe des Arbeitsalltages pflegte Madeleine Zeiten des Gebets. Gezielt nutzte sie dazu Freiräume und Pausen des Alltags. Sie verglich diese Zeiten einmal mit Tiefbohrungen zur Energiegewinnung, im Gegensatz zur Abholzung von Wäldern. Im urbanen Leben sei das Gebet nur durch schmale und tiefe Bohrungen möglich, wobei Intensität die Dauer ersetzt.

Madeleine Delbrêl lebte so ihren Glauben im Gleichgewicht von Stille und Handeln. Sie ermutigt uns, die im stressigen Arbeitsalltag nur spärlich verfügbaren Räume zur Stille zu nutzen. Zudem weist sie uns darauf hin, dass wir, um mit Gott allein zu sein, uns nicht ins Kloster zurückziehen müssen, sondern vielleicht stattdessen die letzte U-Bahn nehmen.

Madeleine Delbrêl bezeugte mit ihrem Leben, dass es auch heute noch möglich ist, aus der Kraft des Evangeliums heraus die Welt zu gestalten.

Ob es darum geht, eine zeitgemäße und bodenständige Alltagsspiritualität für die


 

„Leute vom gewöhnlichen Leben“ zu finden oder um die Frage nach der Weitergabe des Glaubens in einer Umgebung, die den Glauben verloren hat: Die Erfahrungen von Madeleine Delbrêl, die dreißig Jahre lang in einer kommunistischen Arbeiterstadt in der Pariser Bannmeile lebte, sind aktuell und wegweisend. Sie können dazu beitragen, den eigenen Glauben neu zu buchstabieren und nach Wegen der Verkündigung zu suchen, die unkonventionell sind.

 

Zur Besinnung:

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Madeleine Delbrêl schrieb einmal: „Wenn wir in einer atheistischen Umwelt leben, stellt sie uns vor die Wahl: zu missionieren oder zu demissionieren.“ bullet

Da unsere Gesellschaft längst nicht mehr christlich geprägt ist, stellt Delbrêl die drängende Frage, was wir für die Weitergabe des Glaubens heute tun  und wie wir den Glauben leben. Es scheint nur zweierlei möglich zu sein, von Gott zu erzählen und seine Botschaft zu leben oder dazu beizutragen, dass die Entchristlichung weiter voranschreitet.

 

 

Gottes Botschaft in einem Bild

 

Eine schöne Madonna.

Harmonische Einheit von Mutter und Kind.

Der Knabe: munter und fröhlich,

beinahe ein bisschen frech,

ganz so wie kleine, nicht mehr ganz kleine Kinder

in die Welt hinausschauen.

Von den Armen der Mutter schützend umgeben.

Vollkommenes Glück.

 

Doch hier ist mehr als eine Mutter-Kind-Idylle.

Hier ist vielmehr dargestellt,

was Zentrum christlichen Glaubens ist:

Gott ist Mensch geworden,

hat unser Schicksal geteilt,

ist einer von uns geworden,

mit einem menschlichen Gesicht.

Von einer Mutter umsorgt,

von einer Mutter in den Schlaf gewiegt.

 

Doch dieses harmonische Bild

ist nur von kurzer Dauer.

Der Sohn entwächst seiner Mutter,

wie alle Kinder dieser Welt.

Er geht den Weg

-         den Weg, der ihm bestimmt.

 

Gott ist Mensch geworden,

um sichtbar und greifbar zu machen,

wie groß Gottes Liebe ist.

Er hat das Schicksal der Menschen

auf sich genommen

Mit Freude und Schrecken, mit Not und Tod.

Er ging in diesen Tod,

um die Botschaft von der Liebe Gottes

nicht sterben zu lassen.

 

Um diese Botschaft für uns lebendig zu halten,

ist er nicht im Grab geblieben.

Er ist auferstanden vom Tod.

 

Welch unsagbare Botschaft!

 

 

 

Gebet von Madeleine Delbrêl

 

Du lebtest, und ich wusste es nicht.

Du hattest mein Herz nach deinem Maß geschaffen,

mein Leben, um so lange zu währen wie du,

und weil du nicht da warst, erschien mir die ganze Welt als klein und hässlich

und das Schicksal als stumpfsinnig und böse.

Als ich erfahren hatte, dass du lebst, habe ich dir dafür gedankt,

dass du mich ins Leben gerufen hast,

und ich habe dir für das Leben der ganzen Welt gedankt.

Das Leiden, das auf Erden erlitten wird,

erschien mir auf einmal viel größer und viel kleiner zugleich

und die Freuden, die hier erfahren werden,

viel wahrer und viel kleiner auch sie.

 

 

Gebet aus  Südamerika, Verfasser unbekannt

 

Wir geben

 

Wir geben, um zu wachsen,

um uns zu verändern, um zu leben.

Lasst uns geben mit einem wachsenden

Bewusstsein für die Welt

und für alles, was in ihr ist.

 

Wir geben,

um die Nöte und Chancen zu entdecken,

die es um uns herum gibt.

Lasst uns geben und aufbrechen in Frieden

und geleitet werden in Freude.

 

Wir geben

und rechnen mit Gottes bleibender Gegenwart,

mit der Vollmacht der Liebe

und der Wirkung des Dienstes.

 

Amen.