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Silvester/Neujahr im Jahreskreis A

Hochfest der Gottesmutter Maria

Holsterhausen 2010/2011

Zum Einzug: # 910, 1-3 ‚Das alte Jahr’ oder # 257, 1.2 ‚Großer Gott’

Eröffnung:

bulletIm Namen des Vaters..... bulletDer Herr, der die Zeit in seinen Händen hält, er sei mit euch!

Einleitung:

bulletLiebe Gemeinde, bullet„Annus Domini" – „Jahr des Herrn", so haben die Alten gesagt. Jedes Jahr war ihnen ein „Jahr des Herrn". bulletDas Jahr 2011 soll ebenfalls bewusst im Namen des Herrn, unseres Gottes begonnen werden. Wir wissen nicht, was es uns bringen wird, welche Aufgaben und Herausforderungen, welche Freuden und Hoffnungen, welche Mühsal und welche Plage, welche Abschiede. Am Anfang ist fast alles ungewiss. Doch eines ist gewiss: Es wird ein „Jahr des Herrn" sein, dieses neue Jahr 2011. bullet„Der Weg wächst im Gehen unter den Füßen wie durch ein Wunder."
Dieses Wort des Schriftstellers Reinhold Schneider mag uns an der Schwelle, an der wir stehen, Mut und Zuversicht geben.
bulletWie durch ein Wunder wird sich uns zeigen, wie Gott mit uns durch dieses Jahr gehen wird. bulletWie durch ein Wunder werden wir erfahren, dass Menschen uns zugetan sind. bulletUnd wie durch ein Wunder werden wir an Quellen geraten, aus denen wir Leben schöpfen können. bulletDas sei unser Trost und unsere Zuversicht. Das sei unsere Hoffnung, auch in jenen Etappen, in denen unser Weg eng, dunkel und beschwerlich werden wird. bulletSo wollen wir Christus, unsere Zuversicht im Kyrie preisen.

Kyrie: # 401

bulletHerr Jesus Christus, du bist der Anfang und das Ende. bullet# 401 V/A ‚Kyrie, eleison’ bulletHerr Jesus Christus, du bist Ursprung und Ziel. bullet# 401 V/A ‚Christe, eleison’ bulletHerr Jesus Christus, du bist derselbe, gestern und heute. bullet# 401 V/A ‚ Kyrie, eleison’

Gloria:

Tagesgebet:

Ewiger Gott, die Tage zerrinnen uns zwischen den Händen. Unser Leben schwindet dahin. Du aber bleibst. Gestern und heute und morgen bist du derselbe. Du hältst die Zeit, das Vergangene, das Gegenwärtige und das Zukünftige in deinen Händen. Geh du alle unsere Wege mit, darum bitten wir dich
durch Jesus Christus, der für uns Mensch geworden ist und
mit dir und dem Geist lebt und liebt in alle Ewigkeit.

Lesung: Num 6,22–27

Antwortgesang:

Evangelium: Lk 2,16–21

Predigt Sylvester/Neujahr:

bulletLiebe Gemeinde, bullet‚Einen guten Rutsch’. Vermutlich haben Sie selber des Öfteren diesen Neujahrswunsch ausgesprochen und anderen haben Ihnen ‚einen guten Rutsch’ gewünscht. bulletSo sehr der Wunsch verbreitet ist, so sehr irritiert er mich aber auch. Wie soll man diesen Wunsch denn eigentlich verstehen? Was meint der Wunsch denn eigentlich? bulletKurz vor dem dritten Advent waren die Bürgersteige total vereist. Und da war es eigentlich mein Ansinnen, nicht zu rutschen oder gar auszurutschen und mich langzulegen. bulletOder wenn ich im Hochgebirge auf Wegen unterwegs bin, wo jeder Schritt besser richtig gesetzt werden sollte, da es ansonsten steil abwärts geht, dann halte ich eigentlich mehr von einem sicheren, festen Tritt. bulletUnd den wünsche ich durchaus auch meinen Mitmenschen sei es auf den vereisten Gehwegen in Holsterhausen, sei es auf den steilen, engen Wegen im Gebirge. bulletMan könnte natürlich auch augenzwinkernd einen guten Rutsch wünschen und dabei etwas Ironie mit hineinmischen. So nach der Devise: Wir brauchen uns da gar nichts vormachen. Niemand hat den Gang seines Lebens wirklich so richtig im Griff, manchmal muss man auch lavieren und sich durchwursteln und kann nicht zielstrebig den einmal eingeschlagenen oder geplanten Weg einfach so weitergehen. Es ist halt im Leben so, dass sich Situationen ergeben, die nicht geplant, erwünscht oder vorhersehbar waren. Es gibt halt zu viele nicht oder nur kaum beeinflussbare und bisweilen sehr überraschende Faktoren, dies gilt für das Berufsleben genauso wie für das Privatleben und für persönliche Beziehungen. bulletHinzu kommt, dass es oft schwer ist, unterschiedliche oder gar entgegengesetzte Richtungen sowohl im privaten als auch gesellschaftlich-politischen Leben unter einen Hut zu bringen. Im persönlichen Bereich wird diese Tendenz dadurch verstärkt, dass unser Körper auch ein gewisses Eigenleben bzw. einen gewissen Eigensinn hat und nicht immer das tut oder tun kann, was wir uns von ihm wünschen, wenn wir ihn beispielsweise überbeanspruchen oder wenn wir einfach mal krank werden. bulletEs kann also immer wieder dazu kommen, dass wir ins Stolpern respektive Rutschen geraten. bulletUnd es kann passieren, dass wir einfach so in Dinge hereinschlittern, ohne es wirklich zu wollen. bulletAber ob wir dieses Rutschen einander auch wünschen sollten? Da habe ich dann doch meine Zweifel. bulletGlücklicherweise meint der beliebte Neujahrswunsch von seinem tatsächlichen Ursprung her eigentlich etwas ganz anderes, nämlich genau das Gegenteil. bulletDer „gute Rutsch" leitet sich nämlich ab vom jüdischen Neujahrsfest „Rosh ha - Shana", bei dem man sich auf jiddisch „A gid Rosch!" wünscht. „Rosch" bedeutet wörtlich übersetzt eigentlich „Kopf"; „Rosh ha Shana" heißt demnach „Kopf des (neuen) Jahres", im Sinn von Beginn, Neuanfang. Wer jemandem also „A gid Rosch" wünscht, wünscht ihm, nicht einfach so ins neue Jahr zu schlittern, sondern genau das Gegenteil, nämlich „Einen guten Neuanfang!", einen Neuanfang, der nicht darin besteht, einfach so sich weiter durchzuwurschteln, sondern zu sehen, ob uns gegebenenfalls etwas zum Rutschen gebracht hat und wenn ja, zu sehen, wie man im neuen Jahr so anfängt, dass man wieder aufgefangen wird. bulletUnd da passt es gut, dass Neujahr nach altkirchlicher Tradition der Oktavtag von Weihnachten ist und somit vor allem auch ein Weihnachtsfesttag ist. bulletDenn Weihnachten ist das Fest des Neuanfangs schlechthin. Nicht von ungefähr beginnt unsere Zeitrechnung mit der Geburt Christi. Wir teilen unsere Geschichte ein in die Jahre vor und nach Christi Geburt. bullet bulletDahinter steckt die christliche Überzeugung, dass unsere Geschichte nicht einem sich endlos weiterdrehenden Rad gleicht, sondern dass es in unserer Geschichte Unterbrechungen und Neuanfänge gibt, es also nicht eine ewige Wiederkehr des Gleichen gibt. bulletAuch wenn sich vielleicht äußerlich nicht so viel seit der Geburt Christi verändert hat und der Einfluss von Gewalt, Selbstsucht, Angst, Trägheit nicht aufgehört hat, so gibt es doch für uns Christen einen entscheidenden Unterschied. Durch Weihnachten und das Leben, Sterben und Auferstehen von Jesus ist dem Tod, dem Urgrund aller Angst und Gewalt, das feste Fundament entzogen. Weihnachten war der entscheidende Neuanfang. bulletFür mich bedeutet daher die Feier von Weihnachten auch, selber einen Neuanfang zu setzen, damit Weihnachten das Leben prägen kann. bulletFür mich war Weihnachten 2010 das zweite Weihnachtsfest in Holsterhausen. Und mir ist klar geworden, dass ich in vieles in Holsterhausen einfach so hereingerutscht bin, weil es so üblich war, weil es meine Vorgänger auch gemacht haben, weil es von mir irgendwie einfach so erwartet wurde. bulletDabei habe ich übersehen oder wollte es vielleicht auch nicht so gerne sehen, dass sich vieles in der Kirche und den Gemeinden verändert hat. Auch wenn jetzt in größeren pastoralen Räumen gedacht wird, war ich der Meinung, dass ich irgendwie so weitermachen kann, wie ich es von den früheren Gemeindeerfahrungen gewohnt war und wie es meinem Ideal als Priester entspricht. Möglichst bei vielen Dingen präsent sein, mitten im Geschehen stehen, immer ansprechbar sein, immer ein offenes Ohr haben, für alle Ideen und Anfragen eine zupackende Hand haben. bulletIch merkte zwar immer mehr, dass ich bei diesem Ideal an meine Grenzen komme und eigentlich nicht genug Kapazitäten habe, versuchte es aber durch vermehrte Arbeit wettzumachen. Nachdem unser Team sich verkleinert hat, spürte ich, dass ich mein Ideal auch durch noch so viel Engagement nicht mehr leben kann. bulletAls mir dann durch unseren Personalchef deutlich gemacht wurde, dass sich die personelle Situation nicht verbessern wird, wurde ich offener für das, was mein geistlicher Begleiter mir schon länger ans Herz legte, zu akzeptieren, dass sich die Aufgaben des Priesterberufes entscheidend gewandelt haben. Drastisch formulierte er in einem Gespräch:
Die gewandelte Situation ist fast so, als ob Sie einen neuen Beruf ergreifen würden.
Sie müssen ein neues Profil entwickeln und sich fragen, was eigentlich in Ihren Augen die essentials des Priesterberufes sind, und zwar in der Ausprägung als leitender Pfarrer. Dabei sollte ich nicht die althergebrachte kostbare Bezeichnung der Priester als Geistliche vergessen.
bulletDie essentials konnte ich ihm schnell aufzählen: bulletEs geht mir darum, Menschen Erfahrungen mit Gott zu ermöglichen. Damit das möglich ist, muss ich mein geistiges Leben pflegen und intensivieren und ich muss mir Auszeiten gönnen, wo ich ganz einfach Mensch ohne Aufgaben und Druck bin. bulletIch möchte Menschen entdecken lassen, dass ein Leben mit Gott das Leben viel reicher und sinnvoller macht als ohne ihn. bullet bulletEs ist mir wichtig, Menschen zu ermöglichen, einen Zugang zu unserer zentralen Feier, der Eucharistie, zu finden und ihnen überhaupt ein Gespür für die Tiefendimension des Gottesdienstes zu geben. bulletIch möchte insofern missionarisch sein, als dass ich auch jungen und distanzierten Menschen positive Erfahrungen mit Glaube, Kirche und Gottesdienst vermitteln möchte. bulletDie entscheidende Frage, die den Begleitungsgesprächen innewohnte, war, wie ich das erreichen kann und wo ich auch aufgrund meiner Kapazitätsgrenzen nein sagen muss. bulletUnd dieses Neinsagen fiel und fällt mir schwer. Für das neue Jahr habe ich mir vorgenommen mit Hilfe der sogenannten Unterscheidung der Geister mich immer wieder zu bemühen, zu sehen, was wirklich notwendig ist. bulletUnterscheidung der Geister meint zu erspüren, was kurzfristig Trost bringt oder einem ein kurzes gutes Gefühl gibt und was langfristig auf Trost, auf ein gutes Gefühl, auf Zukunft angelegt ist. bulletDabei ging mir auf, dass ich mich zunächst gut fühle, wenn ich ja zu allen möglichen Aufgaben und Einladungen sage. Ein Nein hinterlässt zumindest zunächst ein eher ungutes Gefühl. bulletWas aber ist es, was langfristig Erfüllung und Glück im Dienst eines Geistlichen verspricht? Was kann einen Priester als geistlichen Menschen so berühren, dass es nahrhaft genug ist, es wie Maria es mit den Geschehnisse von Weihnachten tut, in seinem Herzen zu bewegen und als Schatz zu bewahren? bulletBanal sind das alle Dinge die mit dem Geistlichen, mit dem Hinführen zu Gott zu tun haben.
bulletKonkret kann das bedeuten: bulletMenschen ermutigen, die sich für andere bspw. im caritativen Bereich einsetzen und so Gott für andere spürbar werden lassen und ihnen die geistige Dimension dieses Tuns immer wieder neu zu erschließen. bulletSowenig Zeit wie eben möglich in Verwaltung zu investieren, so viel Zeit wie eben möglich für geistige und inhaltliche Begleitung von Menschen und Gruppen zu investieren. bulletSowenig Energie wie eben möglich in strukturelle Debatten stecken (Strukturen haben nur eine Dienstfunktion!), soviel Energie wie möglich in die Gewinnung neuer Christen und die spirituelle Stärkungen suchender Christen zu stecken. bulletEs ist wichtiger Freiräume für intensive Gespräche und Begegnungen zu haben, als überall dabei zu sein oder sich wenigstens mal kurz sehen zu lassen. bulletEs ist gut zu überlegen, bei welchen Entscheidungsprozessen ich mich zurückhalten kann und nicht dabei sein brauche, und welche so wichtig für das Leben von Gemeinde und Kirche im weiteren Sinne sind, dass sie wirklich einen ungeteilten Einsatz erfordern. bulletIm Tagesgebet haben wir gebetet: Ewiger Gott, die Tage zerrinnen uns zwischen den Händen. Unser Leben schwindet dahin. Daher ist es gut, nicht einfach so in das neue Jahr hineinzurutschen und einfach so weiterzumachen wie bisher. bulletDenn, so beteten wir weiter: Du aber (Gott) bleibst. Gestern und heute und morgen bist du derselbe. Insofern ist es gut neu anzufangen, um Dinge zu tun, die zu Gott führen und in ihm Bestand haben. bullet bulletLiebe Gemeinde, bulletWeihnachten ist vom Grunde her ein Fest, das Neuanfänge und Neuaufbrüche durch die wirksame Gegenwart Gottes in dieser Welt ermöglicht. bulletIch wünsche uns allen, Ihnen und mir, insofern nicht ein gutes Weiterrutschen, sondern einen guten Neuanfang. Wir dürfen darauf vertrauen, dass dieser Neuanfang unter dem Segen Gottes steht. Wie Mose damals den Israeliten dürfen wir einander und uns selbst zusagen:
Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig.
Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Heil.
bulletWenn wir mit Gott einen bewussten Neuanfang setzten, dann dürfen wir sicher sein. 2011 wird ein „Annus Domini" ein „Jahr des Herrn". Amen.

Statt Credo: 846, 1.2.5 ‚Von guten Mächten’

Fürbitten:

Herr Jesus Christus, du Retter der Welt, zu dir bringen wir unsere Anliegen und bitten dich:

bulletFür alle, die mit Sorge und Angst in das neue Jahr gehen: schenke ihnen Zuversicht und Vertrauen auf dich. Christus, höre uns. Christus, erhöre uns. bulletFür alle, die resigniert sind und nichts mehr von dir und anderen Menschen erwarten: lass sie spüren, dass du gerade für die geboren bist, die klein und hilflos sind. Christus, höre uns. Christus, erhöre uns. bulletFür uns selber: stärke in uns das Vertrauen auf dich und stecke uns an mit der Freude und Begeisterung für deine Botschaft. Christus, höre uns. Christus, erhöre uns. bulletFür alle, die sich nach Frieden und Gerechtigkeit sehnen: lass sie mutige und gewaltfreie Wege zum Wohle aller finden. Christus, höre uns. Christus, erhöre uns. bulletFür unsere Verstorbenen, die uns voraus gegangen sind: lass sie Heimat und Vollendung bei Dir finden. Christus, höre uns. Christus, erhöre uns.

Denn du bist der, der die Welt zum Guten verändern wird. Dir vertrauen wir uns an und preisen dich mit dem Vater und dem Heiligen Geist bis in alle Ewigkeit. Amen.

Gabenbereitung:

Gabengebet:

Gott, der du die Zeit in deinen Händen hältst, vor dich bringen wir unsere Gaben und das Jahr, das vor uns legt. Lass uns alle Tage in deiner Liebe geborgen sein durch Christus, unseren Herrn.

Präfation:

Sanctus:

Agnus Dei:

N. d. Kommunion:

Ich sagte zu einem Engel, der an der Pforte des neuen Jahres stand:

"Gib mir ein Licht, damit ich sicheren Fußes der Ungewissheit entgegengehen kann."

Aber der Engel antwortete:

"Geh nur hin in die Dunkelheit und lege deine Hand in die Hand Gottes. Das ist besser als ein Licht und sicherer als ein bekannter Weg."

Worte einer chinesischen Christin

Schlussgebet:

Vater im Himmel, du hast uns in Jesus deine Liebe geschenkt. Wir danken dir und bitten dich: Sei uns an allen Tagen des begonnen Jahres nahe in ihm Christus, unserem Herrn.

Segen: an Neujahr, MB S. 536

Schlusslied: