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Herzlich Willkommen!

Grußwort Weihnachten 2009

 

 

 

 

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Liebe LeserInnen dieses Pfarrbriefes,

vermutlich haben Sie das auch mal erlebt. Sie möchten sich eine Kirche, ein Museum oder ein Schloss ansehen. Leider aber sind die Türen verschlossen, sie kommen außerhalb der Öffnungszeiten. Das ist dann schon etwas ärgerlich.

Viel gravierender allerdings ist die Erfahrung, dass sich hinter einem eine Tür geschlossen hat, die sich nicht wieder öffnen lässt. So wenn zwei Menschen, die sich sehr nahe standen, nichts mehr voneinander wissen wollen.

Ebenso schmerzvoll ist es, wenn Türen verschlossen bleiben, weil es Vorurteile gibt, weil jemand anders als andere zu sein scheint, weil jemand nicht die nötigen finanziellen Mittel hat, weil jemand immer das Haar in der Suppe findet, weil ein Streit schwelt.

Und genauso problematisch ist es, wenn wir zukünftigen Generationen sozusagen die Tür vor der Nase zuschlagen, indem wir zu verschwenderisch mit den knappen Ressourcen unserer Erde umgehen.

Türen bleiben zudem auf dramatische Weise verschlossen, weil Gruppen oder Völker so verfeindet sind, dass sie meinen, Krieg sei die einzige Möglichkeit.

Im ersten Buch der Bibel wird von der ersten zugeschlagenen Tür in der Menschheitsgeschichte erzählt, der Tür zum Paradies. Letztlich hat der Mensch selber diese Tür dadurch verschlossen, dass er sein wollte wie Gott, dass er sich über alle und alles stellte. Und immer wieder werden von uns Menschen Türen zugeschlagen. Statt im Garten Eden leben wir jetzt auf dieser Erde umgeben von verschlossenen Türen, von Hass, Zank und Streit, von Neid und Verbitterung.

Deshalb singen wir im Advent immer wieder: O Heiland, reiß die Himmel auf.

Wir bereiten uns in der kommenden Zeit darauf vor, dass wir Weihnachten wieder die alte befreiende Botschaft neu hören dürfen:

Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Ehre sei Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade.

Matthias Grünewald hat dies auf seinem Isenheimer Altar, von dem ein Ausschnitt hier abgedruckt ist, beeindruckend illustriert. Er malt den geöffneten Himmel, aus dem die Engel nur so herauspurzeln. Der Himmel ist nicht mehr verschlossen, das Tor zum Paradies ist wieder geöffnet, weil Gott Mensch wird.

Und weil Gott Mensch wird und unser Leben teilt bis in den Tod, bekommt menschliches Leben ein neues Ziel. Es gibt nicht mehr das ‚ewige Weiterfließen’ der Zeit, sondern menschliches Leben ist jetzt von seinem Ende her eindeutig qualifiziert: Dort steht

das Tor nun offen. Das Neue Testament weiß, dass es das Stadttor zum himmlischen Jerusalem ist, dort wo Gott auf ewig unter den Menschen wohnt.

Weihnachten bedeutet daher: Der Lebensweg des Menschen hat jetzt eine Richtung. Damit er diese nicht verliert, gibt es mitten im Alltag Ahnungen jener Stadt im Himmel:

Immer dann,

Ø      wenn Menschen sich in Liebe und mit Achtung voreinander begegnen,

Ø      wenn Vergebung und Versöhnung geschieht,

Ø      wenn Verständnis füreinander herrscht, Freundlichkeit und Nachsicht,

Ø      wenn Konflikte fair ausgetragen werden,

Ø      wenn die Spirale der Gewalt durchbrochen wird,

Ø      wenn Menschen die Schöpfung genießen und bewahren,

Ø      wenn eine Welt mitgestaltet wird, wo auch die Kleinen, Behinderten,  Ausgegrenzten, Kranken und Sterbenden, die Flüchtenden ihren Platz haben,

immer dann wird die Tür zum himmlischen Jerusalem einen Spalt weit aufgetan, dann setzen wir die Menschwerdung unseres Gottes um und lassen sie den Alltag prägen.

Liebe LeserInnen dieses Pfarrbriefes,

ich wünsche Ihnen für diese Adventszeit und für das kommende Weihnachtsfest von Herzen prägende Erfahrungen, in denen Sie spüren oder zumindest erahnen können, dass die Tür zum himmlischen Jerusalem ein Stück weit offen steht.

Zugleich möchte ich mich für die vielen offenen Türen bedanken, die mir in den beiden Gemeinden St. Antonius und St. Bonifatius bisher schon geschenkt wurden. Und ich wünsche mir als Pfarrer beider Gemeinden, dass der begonnene Prozess der offenen Türen sich in guter Weise fortsetzt. Dann können wir als gemeinsamer, vielstimmiger Chor - nicht nur zur Weihnachtszeit - voller Freude singen: ‚O, du fröhliche... Freue dich, o Christenheit.’

 

Eine gesegnete Adventszeit und ein frohes Weihnachtsfest wünscht Ihnen

 

 

 

Dr. Carsten Roeger,

Pfarrer in St. Antonius und St. Bonifatius